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ftmftmftmEin riesiger Datensatz geleakter Dokumente hat den Vorhang der milliardenschweren Online-Glücksspielindustrie auf Curaçao gelüftet. Zum ersten Mal wurden die Identitäten hunderter versteckter Casino-Eigentümer enthüllt, von denen einige Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe angehäuft haben, während sie hinter anonymen Briefkastenfirmen auf der Karibikinsel agierten.
Die am Dienstag vom niederländischen Rechercheportal Follow the Money unter dem Titel "Casino Secrets" veröffentlichte Untersuchung basiert auf zehntausenden vertraulichen Dateien. Diese wurden von der in Berlin lebenden Hackerin und Cybersicherheitsexpertin Lilith Wittmann erlangt, die Ende letzten Jahres in das Lizenzierungssystem der Curaçao Gaming Authority eindrang. Die Ergebnisse entstanden in Zusammenarbeit mit Medienpartnern wie NRK in Norwegen, NDR in Deutschland, Jetzt in Österreich und SVT in Schweden.cga
Die Dateien identifizieren rund 800 Eigentümer hinter fast 650 lizenzierten Glücksspielunternehmen, die gemeinsam tausende Glücksspielseiten betreiben. Unter ihnen ist Nick van Gorsel, ein 30-jähriger Niederländer, der Mitinhaber der Firma hinter der brasilianischen Glücksspielseite Blaze.com ist und gegenüber der Aufsichtsbehörde auf Curaçao ein Vermögen von 800 Millionen Euro angab. Sein amerikanischer Mitinhaber, Nicholas Beugg, deklarierte 500 Millionen Euro.ua+1
Die Dokumente legen zudem die offiziellen Eigentümerstrukturen zweier Branchengrößen offen. Der serbische Staatsbürger Mladen Vuckovic ist als alleiniger Eigentümer von Medium Rare NV gelistet, der Firma hinter dem Krypto-Casino Stake, und nicht die öffentlich bekannten Gründer Ed Craven und Bijan Tehrani. Aufsichtsbehörden stellten fest, dass Kredite in Millionenhöhe von der Firma an mit dem Duo verbundene Unternehmen flossen, obwohl keiner der beiden im Lizenzantrag von Stake auftauchte. Ähnlich verhält es sich beim ukrainischen Staatsbürger Ihor Hniedash, der als CEO und Eigentümer von Caecus NV, der Firma hinter 1xBet, geführt wird, obwohl drei Russen öffentlich als Gründer identifiziert wurden.ftm+1
Marcel Pheijffer, Professor für forensische Rechnungslegung an der Nyenrode Business University, bezeichnete es als "unbegreiflich", dass die Behörde Stake angesichts der unklaren Eigentumsverhältnisse eine Lizenz erteilte.ftm
Die Curaçao Gaming Authority gab am 17. September bekannt, dass sie den unbefugten Zugriff auf ihr Online-Glücksspielportal untersuche. Der Vorfall sei eingedämmt, aber man habe "noch nicht das volle Ausmaß des Vorfalls ermittelt". Die Behörde erklärte, sie habe keine Beeinträchtigung ihrer technischen Kerninfrastruktur festgestellt, bewerte aber weiterhin, auf welche Informationen zugegriffen wurde.cryptonews+1
Die geleakten Dateien offenbaren zudem ein Muster regulatorischen Versagens. Prüfer der CGA wiesen wiederholt auf Probleme in Lizenzanträgen hin, wie unklare Vermögensherkunft, Eigentümer mit verdächtig geringem Nettovermögen und Hinweise auf illegale Aktivitäten in ausländischen Märkten, empfahlen jedoch trotzdem die Genehmigung. Die Behörde teilte Follow the Money mit, der Sektor befinde sich nach der neuen Glücksspielgesetzgebung von 2024 in einer "Übergangsphase" und Unternehmen hätten Zeit erhalten, die Anforderungen schrittweise zu erfüllen.ftm
Über Jahrzehnte erlaubte Curaçao einer Handvoll privater Firmen, Unterlizenzen an Online-Betreiber zu verkaufen, ohne dass eine nennenswerte staatliche Aufsicht stattfand. Obwohl die Reformen von 2024 die Betreiber erstmals unter direkte staatliche Aufsicht stellten, sind auf Curaçao lizenzierte Seiten weiterhin mit Bußgeldern und Sperrungen in Europa, Australien und den USA konfrontiert. Finanzexperten warnen, dass verschleierte Eigentumsverhältnisse Geldwäsche-Risiken bergen und es kriminellen Netzwerken ermöglichen könnten, Glücksspielunternehmen zu beeinflussen oder zu kontrollieren.ftm
"Eine Aufsichtsbehörde muss erst denken und dann handeln", sagte Pheijffer. "Und nicht, wie es hier der Fall ist, genau umgekehrt."ftm