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publiceye+1wwdwwdSheins lang erwartetes Börsendebüt stößt auf deutliche Kritik von Beobachtergruppen und institutionellen Anlegern. Sie werfen dem Fast-Fashion-Riesen vor, dass seine Nachhaltigkeitsversprechen kaum mehr als Rhetorik seien, während das Unternehmen im Vorfeld seiner Notierung in Hongkong im nächsten Monat mit dem Aktienverkauf beginnt.
Die Schweizer Nichtregierungsorganisation Public Eye veröffentlichte diese Woche eine Analyse von Sheins Börsenprospekt. Sie kam zu dem Schluss, dass das Unternehmen trotz deutlicher Nachhaltigkeitsbotschaften an potenzielle Investoren "fest auf Technologie, Geschwindigkeit und Wachstum ausgerichtet" bleibe. Von den 1,8 Milliarden Dollar, die Shein einnehmen möchte, fließen laut Public Eye nur 10 Prozent in die Nachhaltigkeit, während 80 Prozent zu gleichen Teilen auf Technologie und globales Marketing entfallen.publiceye+1
Die Organisation bezeichnete Sheins Modell als "Outsourcing als Geschäftsmodell". Sie wies darauf hin, dass das Unternehmen mit nur 18.000 Mitarbeitenden und 41,8 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2025 die Verantwortung für Arbeitsbedingungen, Produktqualität und Einhaltung von Gesetzen an Hersteller und Händler auslagert. Diese müssen Shein zudem im Falle von Verstößen schadlos halten. David Hachfeld, Mode-Experte bei Public Eye, sagte, das Unternehmen wirke "weniger wie ein traditioneller Modekonzern als wie ein Technologieunternehmen, das ein riesiges Netzwerk von Vertragspartnern steuert."wwd+1
Public Eye stellte auch Sheins zentrale Umweltbehauptung infrage, wonach das On-Demand-Modell die Überproduktion minimiere. Die Organisation betonte, dass Shein Überproduktion lediglich als produzierte, aber nicht verkaufte Ware definiere: Dabei blieben die rund 4.700 neuen Stile, die täglich eingeführt werden, sowie das aggressive Marketing zur Steigerung des Konsums unberücksichtigt.publiceye+1
Institutionelle Anleger haben Sheins zwei-Klassen-Aktienstruktur als erhebliches Risiko eingestuft. Die vier Mitbegründer des Unternehmens werden nach dem Börsengang 59,6 Prozent der Gesamtaktien halten, aber 90 Prozent der Stimmrechte kontrollieren, ohne dass ein Ablaufdatum für diese Regelung vorgesehen ist. Shein kombiniert zudem die Rollen des Verwaltungsratschefs und des CEO, und nur drei der sieben Vorstandsmitglieder sind unabhängig.esgnews+1
"Zusammen mit der konzentrierten Stimmrechtskontrolle birgt dies das Risiko, die unabhängige Aufsicht zu schwächen", sagte Kiran Aziz, Leiterin für verantwortungsvolle Investitionen beim norwegischen Pensionsfonds KLP. Janina Bartkewitz, ESG-Analystin bei Union Investment in Frankfurt, sagte, das Unternehmen sehe sich "weiterhin mit schwerwiegenden ESG-Kontroversen konfrontiert, insbesondere im Hinblick auf Arbeitsbedingungen und Arbeitsrechte in seiner Lieferkette."gdnonline+1
Shein steht im Visier aktiver Ermittlungen sowohl der Europäischen Kommission als auch der US-Handelsbehörde FTC. In den Börsenunterlagen räumt das Unternehmen ein, dass regulatorische Änderungen die US-Einnahmen seit Mitte 2025 belastet haben. Europäische Behörden verhängten kürzlich Bußgelder in Höhe von 550 Millionen Euro gegen die Alibaba -Tochter AliExpress und 200 Millionen Euro gegen die PDD Holdings -Tochter Temu wegen illegaler Produkte. Dies unterstreicht die finanziellen Risiken für Shein.esgnews+2
Am Montag begann Shein den Verkauf von 280 Millionen Aktien zu Preisen zwischen 47,60 und 49,50 Hongkong-Dollar pro Aktie. Dies bewertet das Unternehmen mit knapp 27 Milliarden Dollar, was etwa einem Viertel der Spitzenbewertung von 100 Milliarden Dollar im Jahr 2022 entspricht. Ob die Anleger über die ESG-Bedenken hinwegsehen werden, bleibt die zentrale Frage vor dem Börsengang.wwd