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wtop+1wtop+1wtopAlle 46 Mitgliedstaaten des Europarats haben am Freitag auf einem Treffen in Chișinău, Moldau, eine politische Erklärung zur Migration verabschiedet. Sie legt eine neue Interpretation der Europäischen Menschenrechtskonvention fest, die Abschiebungen bestimmter Migranten – auch in „Rückkehrzentren“ in Drittstaaten – erleichtern könnte.internazionale+1
Die rechtlich nicht bindende Erklärung, die erste ihrer Art zur Migration vom Europarat, wurde von den Außenministern auf der 135. Sitzung des Ministerkomitees verabschiedet. Sie bekräftigt, dass Staaten ein sogenanntes „unbestreitbares souveränes Recht zur Kontrolle der Einreise und des Aufenthalts ausländischer Staatsangehöriger“ haben und dass Nationen, die mit Massenankünften konfrontiert sind, neue Ansätze zur Abschreckung irregulärer Migration verfolgen können.wtop
Im Zentrum der Erklärung stehen neue Qualifizierungen zu den Artikeln 3 und 8 der Konvention, die den Schutz vor Folter und unmenschlicher Behandlung sowie das Recht auf Privat- und Familienleben abdecken. Während die Erklärung festhält, dass das Folterverbot absolut bleibt, fügt sie hinzu, dass „die Bewertung des Mindestmaßes an Schwere der Misshandlung, die eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe darstellt, relativ ist und von allen Umständen des Einzelfalls abhängt.“usnews+1
Zu Artikel 8 besagt die Erklärung, dass Staaten ausländische Staatsangehörige trotz ihres Rechts auf Privat- und Familienleben ausweisen können, solange die Maßnahme mit einem legitimen Ziel wie der nationalen Sicherheit abgewogen wird. Zudem heißt es, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte „starke Gründe“ benötigen würde, um die Entscheidung eines Staates aufzuheben.internazionale+1
Die Erklärung ging aus einem offenen Brief hervor, der letztes Jahr von den Staats- und Regierungschefs von neun EU-Ländern – darunter Italien, Dänemark, Belgien, Österreich und Polen – versandt wurde. Sie argumentierten, die Auslegung der Konvention durch das Gericht habe die „falschen Leute“ geschützt und der Abschiebung übermäßige Grenzen gesetzt.wtop+1
Menschenrechtsorganisationen verurteilten die Erklärung umgehend. „Regierungen versuchen effektiv, Druck auf ein unabhängiges Gericht auszuüben, um lang etablierte Menschenrechtsschutzmaßnahmen zu schwächen und Abschiebungen zu erleichtern“, sagte Chiara Catelli, Sprecherin der Menschenrechtsgruppe PICUM.wtop
Eve Geddie von Amnesty International bezeichnete die Erklärung als „einen Affront gegen das Grundprinzip, dass Menschenrechte universell sind“, und warnte vor der Entstehung eines „Zwei-Klassen-Menschenrechtssystems basierend auf dem Migrationsstatus“. In den Wochen vor der Abstimmung hatten Amnesty International, die Internationale Föderation für Menschenrechte und die Internationale Juristenkommission die Mitgliedstaaten gemeinsam dazu aufgerufen, die Unabhängigkeit des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu wahren.icj+1
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner nannte die Erklärung einen „wichtigen Schritt“ in Richtung einer einheitlichen Migrationspolitik. Die Generalsekretärin des Europarats, Alain Berset, sagte, die Erklärung von Chișinău „wird dazu beitragen, unsere eigene Arbeit sowie die der nationalen Behörden und Gerichte zu leiten.“wtop
Der Zeitpunkt der Erklärung wird weithin als bewusst gewählt angesehen. Rechtsexperten haben angemerkt, dass sie nur wenige Wochen vor dem Inkrafttreten neuer Regeln im Rahmen des EU-Migrations- und Asylpakts am 12. Juni erfolgt und den Bestimmungen politischen und rechtlichen Rückhalt bieten könnte.echrblog