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popular-archaeology+1.popular-archaeology+1.press.uni-mainz+1.livescience+1.press.uni-mainz.Laut einer aktuellen Studie, die in Science Advances veröffentlicht wurde, haben Archäologen Beweise dafür entdeckt, dass Neandertaler vor etwa 125.000 Jahren im heutigen Deutschland eine hochentwickelte „Fettfabrik“ betrieben. Dort verarbeiteten sie systematisch Knochen von mindestens 172 Großsäugern, um nährstoffreiches Knochenfett zu gewinnen, was den Zeitrahmen für diese Art der Ressourcenintensivierung um fast 100.000 Jahre nach hinten verschiebt.
Der archäologische Fundstellenkomplex Neumark-Nord, etwa 10 km südlich von Halle in Deutschland gelegen, gilt als eine der größten pleistozänen Fundstätten und erstreckt sich über mehr als 30 Hektar. Die in den 1980er Jahren vom deutschen Archäologen Dietrich Mania entdeckte Stätte weist eine außergewöhnliche Erhaltung der Flora und Fauna des letzten Interglazials auf. Was Neumark-Nord besonders bedeutsam macht, ist die umfassende Erhaltung des Ökosystems mit zwei alten Seen, an denen Neandertaler vor etwa 125.000 Jahren aktiv ihre Umwelt gestalteten.idw-online+4
Die Stätte hat bemerkenswerte Funde hervorgebracht, darunter die Überreste von etwa 70 Waldelefanten (über 1.500 Skelettteile), Hunderte von geschlachteten Tieren, zahlreiche Steinwerkzeuge und reichlich Holzkohlereste. Neben Elefanten identifizierten Forscher über 200 Tierarten, von kleinen Käfern bis hin zu Hechten, Hyänen, Nashörnern und Höhlenlöwen. Ein besonders bemerkenswerter Fund war ein Feuersteinschaber mit Rückständen von konzentrierter Eichengerbsäure – ein Beweis dafür, dass Neandertaler biologische Wirkstoffe zur Gerbung von Tierhäuten herstellten, was vereinfachte Sichtweisen auf die Fähigkeiten der Neandertaler infrage stellt. Die außergewöhnliche Erhaltung der Stätte hat es Forschern ermöglicht zu dokumentieren, wie Neandertaler durch kontrolliertes Abbrennen und nachhaltige Jagdaktivitäten über mindestens 2.000 Jahre hinweg dichten Wald in eine offene Landschaft verwandelten.sci+2
Die Neandertaler in Neumark-Nord wandten ausgeklügelte Techniken an, um wertvolles Knochenfett zu gewinnen, was ihre bemerkenswerten Fähigkeiten im Ressourcenmanagement unterstreicht. Sie zerkleinerten systematisch Knochen in zehntausende kleine Fragmente, wobei sie gezielt fettreiche Skelettelemente auswählten, und erhitzten diese Fragmente dann in Wasser, um das kalorienreiche Fett zu gewinnen. Dieser arbeitsintensive Prozess erforderte sorgfältige Planung und Koordination, wie die eng gruppierten archäologischen Überreste auf einer 50 Quadratmeter großen Fläche zusammen mit Anzeichen von Feuergebrauch belegen.iflscience+1
Was diese Entdeckung besonders bedeutsam macht, ist das Ausmaß und die Effizienz des Betriebs. Archäologen bargen über 120.000 kleine Knochenfragmente und mehr als 16.000 Feuersteinwerkzeuge von der Stätte, was auf ein gut organisiertes Produktionssystem hindeutet. Die Neandertaler nutzten wahrscheinlich ein strategisches Zwischenlagersystem, bei dem sie überschüssige Kadaverteile das ganze Jahr über lagerten, bevor sie diese zur Verarbeitung an den See brachten. Dieses Niveau des Ressourcenmanagements stellt frühere Annahmen über die Fähigkeiten der Neandertaler infrage und offenbart sie als anspruchsvolle Planer, die sowohl den Nährwert von Fett verstanden als auch wussten, wie man es effizient aus Tierresten gewinnt.academia+2
Die von den Neandertalern in Neumark-Nord angewandten Fettextraktionstechniken dienten wahrscheinlich einem entscheidenden Überlebenszweck, der über die bloße Ressourceneffizienz hinausging. Neandertaler waren einem erheblichen Risiko einer Proteinvergiftung (auch Kaninchenhunger genannt) ausgesetzt, einem potenziell tödlichen Zustand, der auftritt, wenn Menschen zu viel mageres Protein ohne ausreichende Fett- oder Kohlenhydratzufuhr konsumieren. Dieser Zustand wäre besonders gefährlich für schwangere Frauen und Neugeborene in Neandertaler-Gemeinschaften gewesen. Durch die systematische Gewinnung von Knochenfett konnten die Neandertaler trotz ihrer stark fleischbasierten Ernährung eine ausgewogene Diät aufrechterhalten.livescience+2
Um diese ernährungsbedingte Gefahr zu vermeiden, entwickelten Neandertaler in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet ausgeklügelte Ernährungsstrategien:
rune.unerune.unerune.unerune.unerune.uneDie Entdeckung der „Fettfabrik“ stellt eine bemerkenswerte Anpassung dar, die den Neandertalern half, in Umgebungen zu überleben, in denen Protein zwar im Überfluss vorhanden war, andere Nährstoffe jedoch saisonal knapp waren. Dieses ausgeklügelte Verständnis von Ernährung stellt veraltete Ansichten über Neandertaler als primitiv infrage und unterstreicht ihre fortgeschrittenen Überlebensstrategien.livescience