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reuterseuropa+1chosun+1Die Europäische Zentralbank wird die Leitzinsen am 10. September zum zweiten und letzten Mal in diesem Jahr anheben und damit ihren kürzesten Zinserhöhungszyklus seit 15 Jahren beenden. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Umfrage unter Ökonomen hervor.wkzo+1
Alle 65 zwischen dem 31. August und dem 3. September befragten Ökonomen sagten voraus, dass die EZB ihren Einlagensatz um einen Viertelprozentpunkt auf 2,50 % anheben werde, verglichen mit einer Zustimmung von 83 % in einer Umfrage vom August. Die Einstimmigkeit spiegelt die wachsende Überzeugung wider, dass die Zentralbank in der nächsten Woche handeln, danach aber innehalten wird. Dies gilt selbst vor dem Hintergrund, dass sich die Inflation in der Eurozone im August nach einer Schnellschätzung von Eurostat von 2,9 % im Juli auf 3,3 % beschleunigte, maßgeblich getrieben von Energiekosten, die im Jahresvergleich um 14,3 % stiegen.reuters+1
Etwa 91 % der Ökonomen in der Umfrage erwarten, dass der Einlagensatz das Jahr 2026 bei 2,50 % beenden wird, während 78 % davon ausgehen, dass er bis Mitte 2027 auf diesem Niveau bleibt. Die EZB hatte die Zinsen zuletzt im Juni angehoben, als sie den Einlagensatz von 2,00 % auf 2,25 % erhöhte.centralbank+2
"Angesichts der Probleme in den öffentlichen Finanzen und stark steigender Anleiherenditen fällt es uns weiterhin schwer zu glauben, dass die EZB wirklich bereit wäre, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen", zitierte Reuters Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING. "Es ist schwer vorstellbar, dass die EZB bereit ist, eine Rezession zu riskieren, um einen Lehrbuch-Angebotsschock zu bekämpfen."reuters
Die EZB-Ratsmitglieder selbst haben wenig Neigung gezeigt, eine weitere Straffung nach September zu signalisieren, was teilweise auf gut verankerte langfristige Inflationserwartungen zurückzuführen ist, berichtete Reuters Ende August unter Berufung auf anonyme Quellen aus dem Umfeld der internen Gespräche.reuters
Die Zurückhaltung erfolgt vor dem Hintergrund erneuter Feindseligkeiten im Nahen Osten und volatiler Energiemärkte. Die Sorte Brent verzeichnete in den letzten Tagen deutliche Zuwächse, nachdem die Vereinigten Staaten ihre Luftangriffe auf den Iran wieder aufgenommen hatten. Auch die globalen Anleiherenditen sind kräftig gestiegen: Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen erreichte den höchsten Stand seit November 2023, und die 10-jährige Rendite Japans stieg erstmals seit 1996 über 3 %.chosun
Ökonomen haben ihre Inflationsprognosen für die Eurozone für 2026 in diesem Jahr bereits sechsmal auf 2,9 % angehoben, was den stärksten Aufwärtskorrekturen innerhalb eines Jahres seit 2022 entspricht. Es wird nicht erwartet, dass die Inflation vor Ende 2027 zum 2-%-Ziel der EZB zurückkehrt.wkzo
Sollte die Zinserhöhung im September wie erwartet erfolgen, erinnert dies an das Jahr 2011, als die EZB die Zinsen als Reaktion auf steigende Ölpreise zweimal anhob. Diese Schritte betrachten viele Währungshüter heute als geldpolitischen Fehler. Pia Fromlet, Ökonomin für den Euroraum bei der SEB, sagte gegenüber Reuters: "Der Grund, warum sie die Erhöhungen stoppen werden, ist, dass wir weiterhin davon ausgehen, dass sich die Inflation im Laufe des nächsten Jahres dem Ziel nähern wird. Es gibt jedoch ein Aufwärtsrisiko für unsere Inflationsprognose".reuters+1