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reutersecb.europa+1reuters+1Das Gespenst der Stagflation greift immer stärker um sich in den europäischen Volkswirtschaften, da explodierende Energiepreise die Inflation weiter über die Ziele der Zentralbanken treiben und die Politik zu unerwünschten Zinserhöhungen zwingen, während das Wachstum gleichzeitig Anzeichen einer Abschwächung zeigt.
Die jährliche Inflationsrate im Euroraum beschleunigte sich im August auf 3,3 % gegenüber 2,9 % im Juli, der höchste Wert seit September 2024, was laut Eurostat fast ausschließlich auf die steigenden Energiekosten im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten zurückzuführen ist. Auf Monatsbasis stiegen allein die Energiepreise im August um 2,9 %. Die Europäische Zentralbank reagierte am 10. September mit einer Anhebung ihrer drei Leitzinsen um 25 Basispunkte, wodurch der Einlagensatz auf 2,5 % stieg.ecb.europa+2
Öl-Futures sind wieder auf über 100 Dollar pro Barrel geklettert, etwa 50 % höher als vor dem Iran-Krieg, während die Dieselpreise Rekordhöhen erreichen und europäisches Erdgas Niveaus erreicht hat, die seit 2022 nicht mehr gesehen wurden. Der Derivatemarkt deutet darauf hin, dass Händler kurzfristig keine Entspannung erwarten. Der Online-Prognosemarkt Polymarket zeigt, dass Nutzer die Wahrscheinlichkeit einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus bis Dezember auf nur 18 % beziffern.reuters
"Bisher war es nur eine Geschichte über Rohstoffe und Zinsen. Es war keine Geschichte über Aktien und Kredite. Wir beginnen uns Sorgen zu machen, dass wir einen Punkt erreichen könnten, an dem es beginnt, Auswirkungen auf Aktien und Kredite zu haben", sagte Chris Jeffery, Leiter der Makrostrategie bei LGIM, gegenüber Reuters.reuters
Die jüngsten Prognosen der EZB-Mitarbeiter gehen von einer durchschnittlichen Inflation von 3,0 % im Jahr 2026 und 2,5 % im Jahr 2027 aus, während die Swap-Märkte die Inflation im Euroraum für das nächste Jahr bei etwa 3,5 % einpreisen. Händler erwarten nun für die nächsten 12 Monate weitere EZB-Zinserhöhungen um fast einen ganzen Prozentpunkt sowie mindestens zwei weitere Anhebungen durch die Federal Reserve nach deren eigener Erhöhung um 25 Basispunkte am Mittwoch.ecb.europa+1
Die Aussichten für die Energierechnungen der Haushalte sind besonders düster. Die europäischen Gasspeicher sind zu Beginn des Herbstes nur zu 67 % gefüllt, der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011. US-Aktien aus dem Bereich der zyklischen Konsumgüter sind in diesem Jahr die schlechtesten Performer an der Wall Street mit einem Minus von fast 6 %, während ihre europäischen Pendants um 17 % gefallen sind.news.err+1
In Estland schlagen Energieexperten Alarm für den kommenden Winter. Tiit Hõbejõgi, Leiter des Energiehandels bei Enefit, stellte fest, dass sich die variablen Kosten für Gaskraftwerke im vergangenen Jahr fast verdoppelt haben, von etwa 100 Euro pro Megawattstunde auf 180 Euro/MWh. Die nordischen Wasserkraftspeicher befinden sich nach einem kalten Winter und einem heißen, trockenen Sommer auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren, was die Verfügbarkeit günstiger Stromimporte für die baltischen Staaten verringert.streamlinefeed+1
Das Wirtschaftswachstum hat sich bisher dank KI-bezogener Ausgaben behauptet. Die Gewinne der S&P 500-Unternehmen stiegen im zweiten Quartal geschätzt um 53 % gegenüber dem Vorjahr, und aktuelle PMI-Daten deuteten auf ein solides Wachstum in den USA und Europa im Juli und August hin. Die Bank of England, die die Zinsen am Donnerstag unverändert ließ, warnte jedoch, dass sie damit rechne, dass die britische Inflation bis Anfang 2027 die 4 %-Marke überschreiten werde.reuters
"Der Energiemarkt wird zunehmend volatil, wobei Preisschwankungen nicht mehr über Monate oder Wochen, sondern in 15-Minuten-Intervallen auftreten", schrieb Hõbejõgi. "Die Verbraucher müssen ihre Fähigkeit bewerten, mit schwankenden Preisen und Risiken umzugehen".news.err