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energypolicy.columbiaenergypolicy.columbiaenergypolicy.columbiaSechs Monate nach der Schließung der Straße von Hormus durch den US-Iran-Krieg steht das globale Ölsystem vor einem Paradoxon: Die Rohölpreise haben sich stabilisiert, doch bei den Kraftstoffen, die Verbraucher tatsächlich benötigen, wie Diesel, Kerosin und Benzin, herrscht akuter Mangel. Eine am Freitag veröffentlichte Analyse des Center on Global Energy Policy der Columbia University warnt, dass diese Krise eine fundamentale Schwachstelle in der Energiesicherheitsarchitektur offenbart, die in den 1970er Jahren primär auf Rohölreserven ausgerichtet wurde.energypolicy.columbia
Der Bericht stellt fest, dass die US-Diesel-Crack-Spreads, also die Marge zwischen Rohöl und raffiniertem Diesel, Mitte August auf über 100 Dollar pro Barrel stiegen, ein beispielloser Wert bei einem WTI-Rohölpreis von etwa 85 Dollar. Weltweit werden fertige Transportkraftstoffe zwischen 150 und 190 Dollar pro Barrel gehandelt.energypolicy.columbia
Vier gleichzeitige Schocks verursachen diesen Engpass. Erstens sank die Raffineriekapazität im Nahen Osten, die elf Prozent des weltweiten Gesamtvolumens ausmacht, um 27 Prozent, da die Sperrung von Hormus und direkte Angriffe auf Raffinerien am Golf Anlagen beschädigten oder blockierten. Im Gegensatz zu Rohöl, das teilweise wieder über "dunkle Transporte" mit deaktivierten Signalen fließt, zeigen die Lieferungen raffinierter Produkte aufgrund komplexerer Logistik keine nennenswerte Erholung.energypolicy.columbia
Zweitens hat die intensivierte Drohnenkampagne der Ukraine laut IEA seit August 2025 mehr als 100 Angriffe auf russische Raffinerien verübt. Russland, ehemals der zweitgrößte Dieselexporteur der Welt, hat sein Dieselexportverbot nun bis mindestens September verlängert, wobei laut Reuters Thomson Reuters Corporation vom 25. August Diskussionen über eine Verlängerung bis Jahresende laufen.reuters+1
Drittens hält China die weltweit größte Reserve an Raffineriekapazitäten, hat die Exporte jedoch durch Quoten eingeschränkt. Staatliche Raffinerien laufen nur mit einer Auslastung von 73 bis 74 Prozent, unabhängige sogenannte Teapot-Raffinerien sogar nur mit 50 Prozent.energypolicy.columbia
Der Gesamteffekt: Der weltweite Seehandel mit Diesel ist um etwa 20 Prozent zurückgegangen, der Handel mit Kerosin um etwa ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr, so die in der Columbia-Analyse zitierten IEA-Daten.energypolicy.columbia
Die britische Energy and Climate Intelligence Unit berechnete am Freitag separat, dass der Konflikt die britischen Energie- und Transportkosten bereits um geschätzte 9,8 Milliarden Pfund erhöht hat. Für jede weitere Woche des Krieges drohen britischen Haushalten und Unternehmen zusätzliche Kosten für Gas und Strom in Höhe von etwa 190 Millionen Pfund, wobei die vollen Auswirkungen erst im nächsten Jahr auf den Rechnungen erwartet werden.eciu
"Die jüngste Volatilität auf diesen globalen Gas- und Ölmärkten zeigt, wie schutzlos Haushalte und Unternehmen gegenüber geopolitischen Schocks bleiben", sagte Jess Ralston, Leiterin für Energie bei der ECIU.eciu
Die Columbia-Analyse argumentiert, dass die Entscheidung der IEA im März, 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven freizugeben, zwar die Rohölmärkte stabilisierte, aber das Engpassproblem bei der Raffinierung nicht lösen konnte. 72 Prozent der Freigabe bestanden aus Rohöl, das beschädigte Hydrocracker nicht ersetzen oder Spezifikationsprobleme bei Kraftstoffen lösen kann.energypolicy.columbia
Da die Raffineriekapazitäten in den OECD-Staaten im letzten Jahrzehnt um fast 2 Millionen Barrel pro Tag gesunken sind und die nördliche Hemisphäre mit Destillatbeständen weit unter dem Fünfjahresdurchschnitt in den Winter geht, fordern die Autoren die Politik auf, Raffineriekapazitäten als eine vorrangige Variable der Energiesicherheit zu behandeln und nicht als nachgelagertes Randthema.energypolicy.columbia