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phys+1.web+1.phys.web+1.phys+1.Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität und der Universität Bagdad haben eine 3.000 Jahre alte Hymne an Babylon wiederentdeckt, die ein Jahrtausend lang verloren war. Sie bietet seltene Einblicke in die Architektur, die natürliche Umgebung und das tägliche Leben der antiken Stadt während ihres kulturellen Höhepunkts um 1000 v. Chr.
Die Bibliothek von Sippar, die 1983 bei Ausgrabungen einer irakischen archäologischen Mission der Universität Bagdad entdeckt wurde, stellt einen der bedeutendsten Funde der mesopotamischen Archäologie dar. Die Bibliothek befand sich im Tempel des Schamasch (des Sonnengottes) in Tell Abu Habba und bestand aus Tonregalen mit Hunderten von Keilschrifttafeln, die unschätzbare Einblicke in die babylonische Literatur und Kultur gewährt haben. Der Legende nach wurden diese Tafeln vor der großen Flut von Noah versteckt, obwohl ihre tatsächliche Erhaltung den sorgfältigen Archivierungspraktiken babylonischer Priester zugeschrieben wird.wikipedia+1
Die Bibliothek hat bemerkenswerte literarische Schätze hervorgebracht, darunter Manuskripte klassischer babylonischer Werke wie das „Babylonische Gedicht vom rechtschaffenen Leidenden“ (Ludlul bēl nēmeqi), Gebete an Marduk und Fragmente des Schöpfungsepos. Moderne Gemeinschaftsprojekte zwischen internationalen Wissenschaftlern und der Universität Bagdad entschlüsseln diese Texte weiterhin, wobei jüngste technologische Fortschritte KI einsetzen, um Fragmente zusammenzufügen, deren Identifizierung früher Jahrzehnte gedauert hätte. Die Entdeckung hat einen „Typus“ für antike mesopotamische Bibliotheken etabliert und erweitert unser Verständnis der babylonischen literarischen Traditionen stetig.iraqhistory+3
Die Wiederentdeckung der Hymne an Babylon wurde durch die bahnbrechende Electronic Babylonian Library Platform, auch bekannt als „Fragmentarium“, ermöglicht, die von Professor Enrique Jiménez an der Ludwig-Maximilians-Universität entwickelt wurde. Diese KI-gestützte Datenbank hat die Rekonstruktion antiker babylonischer Texte revolutioniert, indem sie Tausende von Keilschriftfragmenten digitalisierte, die über Museen weltweit verstreut sind. Was früher 30 bis 40 Jahre mühsamer Museumsbesuche erfordert hätte, kann heute in Tagen erreicht werden, wie Jiménez und sein Kollege Anmar Fadhil von der Universität Bagdad zeigten, als sie 26 Fragmente identifizierten, die zur Hymne gehören.phys+2
Das Fragmentarium-Projekt, das 2018 begann, hat über 22.000 Textfragmente verarbeitet und wächst weiterhin schnell. Seine KI-Algorithmen können Fragmente basierend auf Inhalt, Schriftmerkmalen und kontextuellen Hinweisen abgleichen, was das Tempo der Rekonstruktion dramatisch beschleunigt und gleichzeitig die Genauigkeit verbessert. Dieser technologische Durchbruch hat nicht nur die verlorene Hymne an Babylon wiederhergestellt, sondern auch zu anderen bedeutenden Entdeckungen geführt, darunter bisher unbekannte Fragmente des Gilgamesch-Epos und die Identifizierung völlig neuer Genres in der babylonischen Literatur. Die Hymne selbst bietet eine lebendige Beschreibung Babylons im Frühling, gewährt seltene Einblicke in das tägliche Leben der antiken Metropole und enthüllt, dass sie in der Erziehung babylonischer Kinder verwendet wurde.iflscience+4
Die neu entdeckte Hymne an Babylon enthält eine bemerkenswert seltene und lyrische Beschreibung des Euphrat, der den Frühling in die antike Stadt bringt. Im Gegensatz zur meisten mesopotamischen Literatur, die detaillierte Naturbeschreibungen meist vermeidet, widmet diese Hymne mehrere Zeilen der lebendigen Darstellung, wie der Fluss „die Aue tränkt, das Schilfgebiet sättigt“ und Felder dazu bringt, „mit Kräutern und Blumen zu sprießen“. Diese poetische Passage beschreibt die Verwandlung der Landschaft Babylons, während das Wasser des Euphrat das Blühen der Wiesen, das Keimen der Gerste und die Entstehung grüner Weiden auslöst, auf denen „Herden und Vieh ruhen“.phys+1
Der Fokus der Hymne auf die lebensspendenden Eigenschaften des Euphrat spiegelt dessen zentrale Bedeutung für die babylonische Zivilisation und Kosmologie wider. Dem Text zufolge wurde der Fluss „vom weisen Herrn Nudimmud“ (ein anderer Name für den Gott Ea) geschaffen, und seine Wasser galten als wesentliche Elemente in der babylonischen Schöpfungsmythologie, in der Wasser, Feuer und Luft als die drei Urelemente angesehen wurden, die alles Leben stützen. Diese Verehrung des Euphrat steht in krassem Gegensatz zu späteren biblischen Darstellungen in Psalm 137, wo dieselben Flüsse zu Symbolen des Exils und der Klage für die gefangenen Israeliten wurden, die an den Wassern von Babylon „saßen und weinten“.cambridge+3