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reuterseuropeanbusinessmagazine+1reuters+1Die ukrainischen Getreideexporte sind in den ersten beiden Augustwochen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 75 Prozent eingebrochen. Eine anhaltende russische Angriffswelle auf die Infrastruktur der Schwarzmeerhäfen hat die Schifffahrt nahezu zum Erliegen gebracht, wie am Mittwoch veröffentlichte Daten zeigen.reuters
Laut dem European Business Magazine hat seit dem 22. Juli kein ausländisches Frachtschiff mehr die Häfen im Großraum Odessa angelaufen oder verlassen. Die Häfen von Odessa, Tschornomorsk und Juschny wickeln den Großteil der ukrainischen Getreide- und Metallexporte ab und stehen nun mitten in der Hauptphase der Weizenernte seit drei Wochen still. Im Juli und Anfang August verübte Russland laut der ukrainischen Hafenbehörde mehr als 70 Angriffe auf die ukrainische Schwarzmeer-Portinfrastruktur und 62 Angriffe auf Schiffe.europeanbusinessmagazine+1
Die Ukraine gehört zu den weltweit größten Produzenten von Weizen, Mais und Sonnenblumenkernen. Normalerweise werden rund 90 Prozent der Agrarexporte über das Schwarze Meer abgewickelt. Die Landwirtschaft macht fast 60 Prozent der Exporteinnahmen des Landes aus.reuters
„Es gibt keinen Ort, an den wir dieses Getreide schicken können“, sagte der ukrainische Landwirt Serhij Rybalko gegenüber Reuters vor seinem fast vollen Silo in der Region Schytomyr. „Das ist eine absolute Katastrophe für die Landwirte.“reuters
Da die inländischen Getreidepreise durch die lokalen Lagerbestände um rund 30 Prozent gesunken sind, verkaufen viele Landwirte ihren Weizen unter den Produktionskosten. Rybalko erklärte, sein Betrieb benötige während der Ernte rund 20 Millionen Hrywnja (etwa 447.000 US-Dollar) pro Monat, um Kredite zu bedienen, Löhne zu zahlen und Treibstoff zu kaufen: Gelder, die nun fehlen. Das ukrainische Landwirtschaftsministerium warnte, dass die Engpässe bei den Lagerkapazitäten bis zu 11 Millionen Tonnen erreichen könnten, da im nächsten Monat bereits die Maisernte ansteht.europeanbusinessmagazine+1
Die Ukraine liefert rund 6 Prozent des weltweiten Weizens und 11 Prozent des Maises. Denys Martschuk, stellvertretender Vorsitzender des wichtigsten ukrainischen Bauernverbandes, warnte vor Hungersnöten in importabhängigen Ländern in Afrika und im Nahen Osten, sollten die Lieferungen nicht rechtzeitig eintreffen.reuters
Die ukrainische Zentralbank schätzt, dass die Blockade das Land in der zweiten Jahreshälfte 2026 rund 2,5 Milliarden US-Dollar an Deviseneinnahmen kosten wird. Das Landwirtschaftsministerium erwartet, dass die Gesamtexporte im Wirtschaftsjahr 2026/27 von 64,4 Millionen Tonnen auf etwa 29,6 Millionen Tonnen einbrechen werden.europeanbusinessmagazine+1
Alternative Routen sind immer schwerer zu sichern. Die Beziehungen zu Polen haben sich wegen der Konkurrenz durch billigeres ukrainisches Getreide verschlechtert, die Pegelstände der Donau sind gesunken und Russland hat die Eisenbahninfrastruktur zu den Westgrenzen angegriffen. Kiew hat bei der Europäischen Kommission 220 Millionen Euro beantragt, um die Zahlungsfähigkeit der Landwirte während der Herbstaussaat zu sichern.spotmedia+1
Anders als im Jahr 2022, als Russland die Häfen physisch blockierte, haben Angriffe und die Kosten für Kriegsrisikoversicherungen die Fahrten dieses Mal unwirtschaftlich gemacht, was Reedereien zum freiwilligen Rückzug bewegt. Der ukrainische Landwirtschaftsminister Taras Wysozkyj erklärte gegenüber Politico, die Besatzungen hätten „schlichtweg Angst“ und die Reedereien hätten ihre Dienste eingestellt, nachdem ein russischer Raketenangriff im Juli ein mit Mais beladenes Frachtschiff versenkt hatte, wobei zehn Menschen ums Leben kamen.spotmedia+1
„Die Ukraine sollte sich darauf einstellen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Hafenblockaden nicht weniger schwerwiegend oder sogar noch schlimmer sein könnten als beim letzten Mal“, sagte Oleh Niwjewskyj von der Kyiv School of Economics.reuters