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investing+1barchartinvestingDie Renditen von Staatsanleihen in den wichtigsten Volkswirtschaften der Welt sind diese Woche kräftig gestiegen. Ein Scheitern der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über die Strasse von Hormus liess die Rohölpreise nach oben schnellen und schürte erneut die Sorge, dass eine hartnäckige Inflation die Zentralbanken zu weiteren Zinsanhebungen zwingen könnte.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg am Montag auf 4,70 %, nachdem Rohöl der Sorte WTI um mehr als 5 % zugelegt hatte, und kletterte im frühen Dienstagsgeschäft um einen weiteren Basispunkt auf 4,71 %. Die Rendite der 30-jährigen US-Anleihe stieg auf 5,25 % und lag damit nahe ihrem höchsten Stand seit 19 Jahren. In Europa stieg die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe auf 3,198 %, den höchsten Stand seit dem 3. August, während die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen (Gilts) auf 4,989 % kletterte. Auch indische Staatsanleihen wurden am Dienstag abverkauft: Die Rendite der richtungweisenden Anleihe mit Fälligkeit 2036 stieg auf 6,79 %, da Indien als drittgrösster Ölimporteur der Welt von Schwankungen des Rohölpreises besonders betroffen ist.investing+3
Auslöser war ein Ende der diplomatischen Dynamik rund um die Wiederöffnung der Strasse von Hormus. Der iranische Aussenminister Abbas Araghchi erklärte, ein Abkommen mit dem Oman stehe „sehr nahe“, knüpfte eine Wiederöffnung jedoch an Bedingungen: Die USA müssten ihre Blockade der iranischen Schifffahrt beenden, Streitkräfte abziehen, Sanktionen aufheben und den Iran für Kriegsschäden entschädigen. US-Präsident Trump wies die Forderung nach Entschädigung zurück und erklärte, er werde stattdessen „vom Iran Entschädigung für Menschen fordern, die durch Sprengsätze am Strassenrand und zahlreiche Konflikte getötet und verwundet wurden“. Rohöl der Sorte Brent erreichte am Montag 87,70 US-Dollar pro Barrel, was einem Tagesplus von rund 5 % entspricht.barchart+1
Beth Hammack, Präsidentin der Fed von Cleveland, verstärkte am Montag den Druck auf die Anleihemärkte. Sie sagte, die Inflation gehe „nicht von alleine zurück“ und das aktuelle Zinsniveau bremse die Wirtschaft nicht massgeblich. Zudem ergänzte sie, dass voraussichtlich „eine gewisse Anzahl“ an Zinserhöhungen erforderlich sein werde. An den Märkten wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der September-Sitzung des Federal Open Market Committee nun auf 52 % beziffert, verglichen mit 44 % am Vortag.economictimes+1
Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf den US-Verbraucherpreisindex am Mittwoch, der zeigen wird, ob sich der ölpreisbedingte Inflationsimpuls auf die breiteren Preise auswirkt. Europäische Anleihehändler stellen sich zudem im Laufe dieser Woche auf die BIP-Daten der Eurozone für das zweite Quartal sowie revidierte Juli-Inflationsdaten aus Deutschland, Frankreich und Spanien ein. Die Märkte preisen eine Wahrscheinlichkeit von 90 % für eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank um 25 Basispunkte bei ihrer Sitzung am 10. September ein.barchart+1
Der Ausverkauf an den Anleihemärkten birgt vor den Zwischenwahlen im November politische Brisanz für die Administration unter Präsident Trump. Die US-Staatsverschuldung ist auf über 40 Billionen US-Dollar angewachsen, wobei die jährlichen Zinszahlungen 1 Billion US-Dollar übersteigen. Steigende langfristige Renditen wirken sich direkt auf die Hypothekenzinsen aus: Die 30-jährige Festzins-Hypothek lag vergangene Woche im Schnitt bei 6,69 %, dem höchsten Stand seit einem Jahr, wie die Freddie Mac Federal Home Loan Mortgage Corporation mitteilte. Die Seoul Economic Daily berichtete, US-Finanzminister Scott Bessent habe der Wall Street signalisiert, einen weiteren Anstieg der langfristigen Renditen verhindern zu wollen, wobei das Finanzministerium andeutete, die Auktionen langfristiger Anleihen in den kommenden Quartalen zu reduzieren.sedaily