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sciencenews+1eurekalert+1caliber+1Die sprachliche Vielfalt der Welt erreichte ihren Höhepunkt vor 1 000 bis 3 000 Jahren, als weltweit Zehntausende von Sprachen gesprochen worden sein könnten, was die heute etwa 7 500 verwendeten Sprachen weit übertrifft, so eine am Mittwoch in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie.eurekalert+1
Ein internationales Forscherteam aus den USA, Spanien und Deutschland hat die wahrscheinlichen Entwicklungsverläufe der globalen sprachlichen Vielfalt über die letzten 12 000 Jahre rekonstruiert. Ihre Modellierung legt nahe, dass vor der Einführung der Landwirtschaft etwa 4 500 bis 6 200 Sprachen bei einer Weltbevölkerung von nur wenigen Millionen Menschen existierten. Mit dem Bevölkerungswachstum stieg auch die Anzahl der Sprachen, die sich bis zu verzehnfachte, bevor sie in einen steilen Rückgang überging.sciencenews+2
"Zu Beginn unserer Modellierung vor 12 000 Jahren hatten wir etwa 5 000 Sprachen auf 6 Millionen Menschen. Am Endpunkt haben wir 7 500 Sprachen auf 8 Milliarden Menschen", sagte Claire Bowern, Linguistin an der Yale University und Mitautorin der Studie.sciencenews
Die Studie, die von Bowern zusammen mit Damian Blasi, Marcus Hamilton und Russell Gray verfasst wurde, ergab, dass der Zusammenbruch der sprachlichen Vielfalt nicht mit dem modernen europäischen Kolonialismus begann, wie oft angenommen, sondern mit der früheren Expansion großer Staaten und Imperien wie Rom und Griechenland. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die heutige Sprachkrise "der Höhepunkt eines langfristigen Prozesses der kulturellen Homogenisierung ist, der durch das Bevölkerungswachstum vorangetrieben wurde", so die Forscher.eurekalert+3
Die heute gesprochenen Sprachen repräsentieren das, was die Forscher als "eine kleine und historisch verzerrte Stichprobe vergangener sprachlicher Vielfalt" beschreiben. Yale News berichtete, dass die am 23. Juli veröffentlichte Studie die überlebenden Sprachen als Produkt historischer Zufälle und nicht als Ergebnis inhärenter Beständigkeit darstellt.news.yale+1
Die Krise hält an: Laut Daten von Ethnologue sind etwa 3 200 der Weltsprachen, also rund 44 Prozent, als gefährdet eingestuft. Ohne Intervention haben Forscher zuvor geschätzt, dass sich der Sprachverlust innerhalb von 40 Jahren verdreifachen könnte, wobei mindestens eine Sprache pro Monat verschwindet.caliber+1
Die Sorgen um die Zukunft gehen über bekannte Belastungen wie Urbanisierung und formale Bildung hinaus. Das Weltwirtschaftsforum hat darauf hingewiesen, dass aktuelle KI-Systeme nur mit etwa 100 der weltweit mehr als 7 000 Sprachen trainiert werden, was Fragen aufwirft, ob künstliche Intelligenz die Marginalisierung kleinerer Sprachgemeinschaften beschleunigen könnte. Die Autoren der Studie legen nahe, dass ihre Ergebnisse weitreichende Auswirkungen darauf haben, wie Forscher globale Muster in Sprache und Kultur erklären, und darauf, was bereits unwiederbringlich verloren gegangen ist.weforum