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meduzazona+1reutersUkrainische Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien haben eine schwere und sich ausweitende Treibstoffkrise im ganzen Land ausgelöst. In einigen Städten verschwindet Benzin vollständig von den Tankstellen, und in fast jeder Region gilt inzwischen eine Rationierung, während Moskau versucht, eine der sichtbarsten innenpolitischen Folgen des Krieges in der Ukraine einzudämmen.
Am 3. Juli ging an allen Tankstellen in Noworossijsk, einer bedeutenden Hafenstadt am Schwarzen Meer, das Benzin vollständig aus; es war nur noch Diesel verfügbar, so das städtische Managementzentrum. Der Mangel in dieser Stadt begann am 10. Juni. In der Region Transbaikalien in Sibirien wurden Fahrer fotografiert, die in kilometerlangen Schlangen warteten. Selbst in der Hauptstadt Moskau gibt es lange Warteschlangen an Tankstellen, da eine dortige Raffinerie in den letzten Wochen wiederholt von Drohnen getroffen wurde.wsj+2
Etwa ein Drittel der russischen Ölraffineriekapazitäten wurde laut Chris Weafer, CEO von Macro-Advisory Ltd., außer Betrieb gesetzt. Eine Zählung der AP dokumentierte seit März mehr als 50 ukrainische Angriffe auf Raffinerien, Depots und andere Energieinfrastrukturen. Bis Anfang Juli wurden in fast allen Regionen Russlands Beschränkungen für den Treibstoffverkauf eingeführt, so das unabhängige russische Medium Zona Media, das die Rationierung in 56 Regionen kartierte.euronews+2
Russland hat mit einer Kaskade von Notfallmaßnahmen reagiert. Die Treibstoffrationierung begrenzt die Abgabe in vielen Regionen auf 20–30 Liter pro Fahrzeug, wobei der Verkauf in Kanister verboten ist. Ein vollständiges Verbot von Benzinexporten bleibt mindestens bis zum 31. Juli in Kraft. Am 2. Juli genehmigte ein von Premierminister Michail Mischustin unterzeichnetes Regierungsdekret den Raffinerien die Produktion von minderwertigem Euro-3-Benzin – das seit 2016 verboten war – bis zum Jahresende. Russland hat zudem 60.000 bis 80.000 Tonnen Benzin aus Indien importiert und plant laut Reuters, monatlich 400.000 Tonnen aus verschiedenen Ländern zu beziehen.aljazeera+4
Die Krise weitet sich nun über die Grenzen Russlands hinaus aus. Am 2. Juli bat Kirgisistan – das mehr als 90 Prozent seines Benzins aus Russland importiert – offiziell Kasachstan, Belarus, Aserbaidschan, Usbekistan und Turkmenistan um Hilfe bei der Sicherstellung stabiler Treibstofflieferungen.reuters+1
Die Ernte 2026 in Russland liegt ein bis zwei Wochen hinter dem Tempo des Vorjahres zurück; bis zum 1. Juli war nur etwa ein Drittel der Fläche geerntet, verglichen mit dem gleichen Datum im Jahr 2025, berichtete die russische Wirtschaftszeitung Kommersant. Der Treibstoffmangel hat die wetterbedingten Verzögerungen im gesamten Getreidegürtel des Landes verschärft.reuters+2
Unterdessen beschuldigte die Duma-Abgeordnete Nina Ostanina, Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für Familienschutz, die Regierung am 2. Juli, das wahre Ausmaß der Krise zu verschleiern. Sie sagte, fast ein Drittel der Raffinerien sei außer Betrieb – eine Tatsache, die Minister ihrer Aussage nach nicht anerkennen wollten.meduza+1
Präsident Wladimir Putin räumte Ende Juni ein, dass Russland mit Treibstoffknappheit konfrontiert sei, bestand jedoch darauf, dass die Situation „nicht kritisch“ sei und „alle beschädigten Anlagen recht schnell wiederhergestellt werden“. Für Millionen von Russen, die ihre Tanks nicht füllen können, klingt diese Zusicherung hohl.cnbc