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france24+1nytimestheglobeandmailDie Académie Goncourt hat am Freitag den Debütroman von Thélyson Orélien von der Longlist für Frankreichs prestigeträchtigsten Literaturpreis gestrichen. Dies markiert einen dramatischen Absturz für ein Buch, das als eine der Sensationen der französischen Verlagssaison galt.
Die Akademie teilte mit, sie habe "C'était ça ou mourir" ("Entweder das oder sterben") zurückgezogen, um "die Integrität des Prix Goncourt zu wahren". Sie verwies auf Erkenntnisse, wonach der Roman "aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem sehr großen Teil das Produkt künstlicher Intelligenz" sei. Die Entscheidung bezog sich auch auf separate Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit Oréliens früheren Arbeiten.france24+2
Die Anschuldigungen kamen Anfang der Woche von einem anonymen Account auf X namens "Balance ton Claude" ("Entlarve deinen Claude"), der behauptete, dass eine KI-Erkennungssoftware Auszüge aus Oréliens Roman als maschinell generiert markiert habe. Am Freitag gab der französische Essayist Samuel Fitoussi bekannt, dass er Teil des Kollektivs hinter dem Account sei. Er erklärte gegenüber Reportern, er habe aus Angst gehandelt, dass "KI das Verschwinden von Lesen und Schreiben verursachen wird".lemonde+1
Orélien, ein 38-jähriger haitianisch-kanadischer Schriftsteller, hat die Vorwürfe zurückgewiesen. "Ich habe es immer geliebt zu erschaffen und zu schreiben, ich sehe nicht ein, warum ich eine Maschine benutzen sollte", sagte er der französischen Tageszeitung Libération. Sein französischer Verlag erklärte, er habe 2017 mit dem Roman begonnen und bis 2019 einen Entwurf fertiggestellt, noch bevor generative KI-Tools weit verbreitet waren, so die New York Times.nytimes+1
Die Kontroverse verschärfte sich, nachdem La Presse berichtete, dass einige Artikel, die Orélien zugeschrieben und zwischen 2012 und 2014 in Medien in Quebec und Frankreich veröffentlicht wurden, Passagen enthielten, die auch in zuvor veröffentlichten Werken anderer Autoren zu finden waren. Sein Verlag in Quebec, Les Éditions du Boréal, setzte Werbeaktivitäten für den Roman aus und erklärte, es sei "zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich, die Anschuldigungen zu bestätigen oder zu dementieren". Eine Buchmesse in Quebec lud ihn zudem als Ehrengast aus.theglobeandmail+1
Orélien sagte, die Angriffe gegen ihn enthielten auch rassistische Nachrichten. "Ich stamme aus einer haitianischen und karibischen literarischen Tradition, in der Poesie, Bildsprache, Wiederholung und Rhythmus eine lebendige Stimme tragen", sagte er in einer Stellungnahme über seinen Verlag.theglobeandmail
Der Fall hat kanadische Literaturorganisationen dazu veranlasst, sich mit dem Umgang mit KI-Bedenken zu befassen. Die Geschäftsführer des Writers' Trust und der Giller Foundation erklärten, sie hätten Richtlinien, die KI-geschriebene Werke verbieten, verließen sich aber weitgehend auf die Verlage, diese durchzusetzen. Der Canada Council for the Arts, der die Governor General's Literary Awards verwaltet, teilte mit, er entwickle eine Richtlinie mit "klaren Erwartungen" an die KI-Nutzung, die für den nächsten Wettbewerbszyklus fertig sein soll.toronto.citynews
Künstlergruppen in Quebec warnten unterdessen davor, sich zu sehr auf KI-Erkennungstools zu verlassen, und warnten, dass Kreative zunehmend unter Druck geraten könnten, zu beweisen, dass ihre Arbeit nicht maschinell generiert wurde.theglobeandmail