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sciencenews+1phys+1sciencenewsEin 236 Millionen Jahre altes Fossil aus Argentinien liefert Forschern zufolge den bislang ältesten Beleg für Lebendgeburten in der Stammlinie der Säugetiere. Damit verschiebt sich der Ursprung der Viviparie um 90 bis 95 Millionen Jahre weiter in die Vergangenheit als bisher angenommen.
Die am Mittwoch in der Fachzeitschrift Frontiers in Mammal Science veröffentlichte Studie befasst sich mit Chiniquodon theotonicus, einem hundegroßen, fleischfressenden Cynodontier: einer Gruppe urzeitlicher Tiere, die als direkte Vorfahren aller heute lebenden Säugetiere gelten. Ein Team von Paläontologen des CONICET identifizierte im Knochenquerschnitt des Tieres eine Neonatallinie, eine mikroskopische Wachstumsmarke, die sich bei lebendgebärenden Tieren erst im Moment der Geburt bildet.sciencenews+1
„Wir zeigen zum ersten Mal, dass die Lebendgeburt bei mindestens einem Vorfahren der Säugetiere vorhanden war, nämlich bei Chiniquodon theotonicus, der vor etwa 236 Millionen Jahren lebte“, sagte Hauptautor Leandro Gaetano, Paläontologe am CONICET in Buenos Aires.phys
Die Entdeckung stützt sich auf das Verhältnis von Geburtsgewicht zu Erwachsenengewicht. Mithilfe der Neonatallinie und Knochenmessungen schätzte das Team, dass Chiniquodon bei der Geburt etwa 1,7 Kilogramm wog und als ausgewachsenes Tier rund 12 Kilogramm: ein Verhältnis von etwa 14 Prozent. Dieser Wert liegt mitten im Bereich moderner Plazentatiere und übertrifft die Werte von eierlegenden Reptilien (0,1 bis 0,6 Prozent) oder Vögeln (1,3 bis 4,5 Prozent) deutlich.sciencenews+1
„Wir waren erstaunt, dass C. theotonicus in einer Gruppe mit den heutigen Plazentatieren landete und sich deutlich von anderen Amnioten wie Reptilien oder Vögeln unterschied“, so Gaetano.phys
Zuvor stammten die ältesten verlässlichen fossilen Belege für Lebendgeburten in der Säugetierlinie aus der Zeit vor etwa 140 bis 160 Millionen Jahren, von Tieren, die anatomisch bereits viel näher an echten Säugetieren lagen.martincid+1
Externe Experten mahnen zur Vorsicht. Eva Hoffman, Paläontologin am American Museum of Natural History, die die Evolution der Cynodontier erforscht, erklärte gegenüber Science News: „Es bedarf starker Beweise, um eine Lebendgeburt nachzuweisen. Und das habe ich bisher bei keinem nicht-therischen Cynodontier gesehen.“sciencenews
Randall Irmis, Paläontologe an der University of Utah, wies darauf hin, dass der Fund die Frage aufwirft, ob sich die Lebendgeburt bei Säugetieren nur einmal und viel früher als angenommen entwickelte oder ob sie mindestens zweimal unabhängig voneinander entstand. „Wir werden mehr fossile Belege benötigen, um diese beiden Hypothesen zu prüfen“, sagte er.sciencenews
Die Forscher räumen die Grenzen eines einzelnen Exemplars ein. Die Mitautorin Adriana Mancuso merkte an, dass die Umweltbedingungen in der Trias: geprägt von intensivem Wettbewerb und Trockenheit nach dem schlimmsten Massenaussterben der Erdgeschichte: eine innere Trächtigkeit vorteilhaft gemacht hätten. „Embryonen lebendgebärender Arten wären besser geschützt gewesen als die von eierlegenden Arten“, erklärte sie.phys
Das CONICET-Team untersucht nun weitere Cynodontier-Exemplare aus argentinischen Trias-Fundstellen, um festzustellen, ob dieser Fund einen Einzelfall darstellt oder Beleg für einen breiteren evolutionären Wandel ist.martincid