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scmp+1businessamlive+1businessamliveDie wachsende Kluft zwischen Rohölpreisen und den Kosten für raffinierte Kraftstoffe offenbart einen strukturellen Riss im globalen Energiesystem: Es gibt zwar reichlich Öl im Boden, aber nicht genügend Raffineriekapazitäten, um es in das Benzin, den Diesel und die Petrochemikalien zu verwandeln, die die Welt benötigt.
Analysten von Goldman Sachs schätzten in einer Ende August veröffentlichten Analyse unter der Leitung von Yulia Zhestkova Grigsby, dass die weltweiten Raffinerieausfälle 60 Prozent über den saisonalen Normwerten liegen, wie aus einem Bericht der South China Morning Post der Alibaba Group Holding Limited hervorgeht. Die Bank hat ihre Prognosen für die Diesel-Margen mehr als verdoppelt und gewarnt, dass der Engpass bis in die zweite Hälfte des Jahres 2027 anhalten könnte.scmp+1
Zwei Kräfte verknappen das Angebot. Schäden durch den Iran-Konflikt, einschließlich der Huthi-Angriffe auf Anlagen von Saudi Aramco in Jizan, Yanbu und Dschidda, haben die Produktion und Lieferungen aus dem Nahen Osten drastisch reduziert. Verstärkte ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien haben Moskau dazu veranlasst, Diesel-Exporte bis mindestens Ende September zu verbieten. Russlands stellvertretender Ministerpräsident Alexander Nowak sagte am Donnerstag auf einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok, der Produktionsrückgang sei "vorübergehend", doch Analysten bleiben skeptisch.businessamlive
China, das über die weltweit größten Raffineriekapazitäten verfügt, hatte Anfang des Jahres Exportkontrollen für Kraftstoffe eingeführt, obwohl Peking diese Beschränkungen schrittweise gelockert hat. Reuters berichtete am 2. September, dass chinesische Raffinerien im September voraussichtlich etwas mehr als 4 Millionen Tonnen Benzin, Diesel und Kerosin exportieren werden. Dennoch führen Goldman Sachs und Marktanalysten die anhaltende Knappheit teilweise auf Chinas frühere Beschränkungen zurück.reuters+1
Die Zahlen unterstreichen das Ausmaß des Problems. Der weltweite Rohöldurchsatz in Raffinerien lag im Juli mit 80,9 Millionen Barrel pro Tag fast 5 Millionen Barrel unter dem Vorjahresniveau, wobei "die Kapazitäten an anderer Stelle im System derzeit nicht in der Lage sind, die Engpässe bei der Produktversorgung auszugleichen", so die Internationale Energieagentur in ihrem August-Bericht. Brian Mandell, Führungskraft bei Phillips 66 , erklärte Analysten während einer Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des zweiten Quartals, dass in Asien und dem Nahen Osten mindestens 7 Millionen Barrel pro Tag an Raffineriekapazität offline seien, weitere 1,4 Millionen Barrel pro Tag in Russland.oilprice+1
Nikhil Agarwal, Geschäftsführer von Globestar Energy, brachte es auf der Energy Trading Week Middle East in Dubai auf den Punkt: "Rohöl ist weltweit im Überfluss vorhanden, aber es gibt keine Raffineriekapazitäten, um es zu verarbeiten und auf den Markt zu bringen".businessamlive
Nirgendwo sind die Auswirkungen auf die nachgelagerten Bereiche deutlicher sichtbar als in Japan, wo Medien den Begriff "Naphtha-Insolvenzen" geprägt haben, um die Kaskadeneffekte auf Hersteller zu beschreiben, die von erdölbasierten Vorprodukten abhängig sind. Naphtha, eine aus Rohöl raffinierte brennbare Flüssigkeit, ist ein grundlegender Rohstoff für Polyesterfasern, Verpackungen und industrielle Lösungsmittel. Eine Umfrage von Tokyo Shoko Research im Juni ergab, dass etwa 80 Prozent der mehr als 7.000 befragten Unternehmen Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Erdölprodukten hatten. Die Zahl der Insolvenzen stieg im Juli auf 1.028 Unternehmen, gegenüber 1.021 im Juni.tradingeconomics+1
Rystad Energy hat seine Prognose für die russische Rohölproduktion auf durchschnittlich 8,95 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2026 gesenkt, mit einem weiteren Rückgang auf etwa 8,6 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2027, und warnt davor, dass Drohnenangriffe nun sowohl die Upstream-Produktion als auch die Raffineriekapazitäten einschränken.businessamlive