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news.artnet+1.news.artnet+1.news.artnet.press.philamuseum+1.news.artnet+1.Zum ersten Mal seit über drei Jahrhunderten werden zwei nahezu identische Gemälde einer Gitarre spielenden Frau nebeneinander im Londoner Kenwood House ausgestellt, was eines der hartnäckigsten Rätsel der Kunstgeschichte neu entfacht. Die Ausstellung "Double Vision: Vermeer", die am 1. September 2025 eröffnet wurde, vereint Johannes Vermeers authentifiziertes Werk Die Gitarrenspielerin (1672) mit seinem rätselhaften Gegenstück aus dem Philadelphia Museum of Art anlässlich des 350. Todestages des niederländischen Meisters.news.artnet+1
Das Londoner Gemälde, Teil des Iveagh Bequest im Kenwood House, ist eines von nur 37 Werken, die sicher Vermeer zugeschrieben werden, und trägt seine Signatur. Sein "Zwilling" aus Philadelphia, bekannt als Dame mit Gitarre, ist seit fast einem Jahrhundert Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Debatten und wird in der John G. Johnson Collection als "Kopie nach Vermeer" geführt.english-heritage+3
Jüngste wissenschaftliche Untersuchungen haben überzeugende Beweise geliefert, die die beiden Werke unterscheiden. Laut Artnet News wurde das Kenwood-Gemälde mit einem hellgrau-braunen Grund aus Bleiweiß und Kreide vorbereitet, was mit Vermeers anderen späten Gemälden übereinstimmt. Im Gegensatz dazu weist die Philadelphia-Version einen dunkelbraunen Grund auf, der hauptsächlich aus gebrannter Umbra besteht.news.artnet
Die Pigmentanalyse zeigt noch stärkere Kontraste. Die Londoner Version verwendet durchgehend natürliches Ultramarin, ein teures blaues Pigment aus Lapislazuli, das Vermeer charakteristischerweise ausgiebig in seinen Arbeiten verwendete. Das Gemälde aus Philadelphia ersetzt das Blau durch billigeres Indigo und verwendet für die Landschaftsgrüntöne eine Mischung aus Indigo und gelbem Ocker anstelle der grünen Erde, die im authentifizierten Werk zu finden ist.essentialvermeer+1
Diese technischen Ergebnisse stimmen mit Forschungen überein, die von Teams des Philadelphia Museum of Art in Zusammenarbeit mit der National Gallery of Art in Washington, DC, sowie durch neue Studien von English Heritage und der National Gallery in London durchgeführt wurden.theartnewspaper+1
Die Kontroverse um die Zuschreibung gewann im März 2023 an Dynamik, als Arie Wallert, ehemaliger wissenschaftlicher Spezialist am Rijksmuseum Amsterdam, auf einem internationalen Vermeer-Symposium Ergebnisse präsentierte, die darauf hindeuteten, dass das Gemälde aus Philadelphia tatsächlich von Vermeer selbst stammen könnte. Wallert identifizierte Spuren von Ultramarin und Blei-Zinn-Gelb und argumentierte, dies seien "Kombinationen, die damals niemand sonst verwendete".press.philamuseum+2
Der Zustand des Gemäldes aus Philadelphia erschwert jedoch die Bewertung. Das von Wallert als in "schockierendem" Zustand beschriebene Werk weist erhebliche Oberflächenschäden durch aggressive Reinigungsversuche auf, die wahrscheinlich die abschließenden Farbschichten entfernt haben. Ein bedeutender Riss in der unteren rechten Ecke und ausgedehnte Abriebspuren haben das Gemälde in einem Zustand hinterlassen, den English Heritage als "beeinträchtigt" beschreibt.news.artnet+3
Die Kompositionen sind bis auf einen wesentlichen Unterschied nahezu identisch: Die Version aus Philadelphia zeigt die Dargestellte ohne die korkenzieherartigen Locken, die auf dem Londoner Gemälde zu sehen sind. Entscheidend ist auch, dass Vermeer das Kenwood-Werk signiert hat, während die Philadelphia-Version seine Signatur vermissen lässt.news.artnet+1
Die Ausstellung, die bis zum 11. Januar 2026 läuft, stellt eine beispiellose Gelegenheit für einen öffentlichen Vergleich dar. Laut Wendy Monkhouse, leitende Kuratorin bei English Heritage: "Seit den 1920er Jahren rätseln Gelehrte über die Beziehung zwischen diesen beiden Gemälden, aber diese Ausstellung zieht keine Schlussfolgerungen, sondern lädt die Besucher ein, die Kunstfertigkeit eines der größten Künstler des 17. Jahrhunderts selbst zu erleben und diese Frage für sich zu beantworten".finestresullarte
Jennifer Thompson, Kuratorin für europäische Malerei und Skulptur am Philadelphia Museum of Art, beschreibt die Ausstellung als eine "aufregende Gelegenheit", darüber nachzudenken, "was Wissenschaft und Kennerschaft zu unserem Verständnis von Vermeer und den Malmaterialien und -techniken des 17. Jahrhunderts beitragen".news.artnet
Das Philadelphia Museum setzt seine gemeinsame Forschung mit Vermeer-Experten fort und stellt sein Gemälde im unrestaurierten Zustand aus, um weitere wissenschaftliche Untersuchungen zu ermöglichen. Da die Forschungsergebnisse in einem kommenden wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht werden sollen, könnte diese historische Wiedervereinigung endlich ein jahrhundertealtes Rätsel um einen der rätselhaftesten Meister der Kunstgeschichte lösen.press.philamuseum+3