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reuters+1reuters+1reutersDie Isländer stimmen am Samstag darüber ab, ob ihre Regierung die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union wieder aufnehmen soll. Dieses Referendum könnte mehr als ein Jahrzehnt nach dem Abbruch der Gespräche eine historische Kehrtwende für den nordatlantischen Inselstaat einläuten.
Die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Maskina, die zwischen dem 21. und 25. August durchgeführt wurde, zeigt laut Reuters, dass 51,3 % der Befragten eine Wiederaufnahme der Gespräche mit Brüssel befürworten, während 48,7 % dagegen sind. Der Vorsprung ist von 4,4 Prozentpunkten in einer Umfrage von Mitte August auf nur noch 2,6 Punkte geschrumpft, wie Bloomberg berichtete.reuters+1
Bei der Abstimmung am 29. August geht es nicht um den EU-Beitritt selbst. Für einen tatsächlichen Beitritt Islands zu den ausgehandelten Bedingungen wäre ein zweites Referendum erforderlich. Im Falle eines „Ja“ schätzt ein Memorandum des Außenministeriums, dass die Beitrittsverhandlungen bis Ende 2026 beginnen und innerhalb von 18 bis 24 Monaten abgeschlossen werden könnten.reuters
Island hatte die EU-Beitrittsgespräche 2013 nach vierjährigen Verhandlungen abgebrochen. Doch gestiegene Lebenshaltungskosten, der Krieg in der Ukraine und die wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, das benachbarte Grönland zu annektieren, haben das Interesse an einem Beitritt zur 27-Länder-Gemeinschaft neu entfacht. Islands Außenministerin Thorgerdur Katrin Gunnarsdottir verwies auf Trumps Grönland-Pläne als Warnung und hob die EU-Unterstützung für Dänemark als Argument für den Multilateralismus hervor.foreignpolicy+1
Island ist bereits Teil des europäischen Binnenmarktes, des Schengen-Raums und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), hat jedoch kein formelles Mitspracherecht bei EU-Entscheidungen. Als die Verhandlungen ausgesetzt wurden, waren bereits 27 von 33 Verhandlungskapiteln geöffnet und 11 vorläufig geschlossen, was einem neuen Prozess einen deutlichen Startvorteil verschaffen würde.aldeparty+1
Die Souveränität über die Fischereirechte bleibt das umstrittenste Thema. Die Fischerei macht rund 10 % des isländischen BIP aus. Unter der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU müsste das Land die Kontrolle über Bestände teilen, die es historisch gesehen allein verwaltet hat. In Fischerorten an der Nordküste wurden bereits Anti-EU-Flaggen gehisst.foreignpolicy
Thorvaldur Gylfason, ein emeritierter Professor an der Universität von Island, erklärte gegenüber dem EUObserver, dass wohlhabende Akteure der Fischereiindustrie, die er als Oligarchen bezeichnete, offenbar die „Nein“-Kampagne finanzieren. Diese Kampagne hat im ganzen Land Versammlungen abgehalten und ausländische Redner eingeladen, darunter einen Schweizer Anwalt mit Verbindungen zu russischen Interessen. „Die Oligarchen sind nicht mehr wie vor dem Finanzkrach vor 18 Jahren im Bankensektor tätig, sondern konzentrieren sich heute auf die Fischerei“, so Gylfason.euobserver
Beobachter gehen davon aus, dass das Referendum Auswirkungen über Island hinaus haben könnte. Ein „Ja“ könnte Druck auf Norwegen ausüben, das einzige andere nordische Land außerhalb der EU, in dem die Zustimmung zu einer Mitgliedschaft von 27 % im Jahr 2023 auf 41 % im Jahr 2025 gestiegen ist. „Ein isländisches ‚Ja‘ am 29. August wird die norwegische Debatte erschüttern: ein positiver Schock“, sagte Georg Riekeles vom European Policy Centre in Brüssel.foreignpolicy
Dennoch gilt: Wenn schon die bloße Zustimmung zur Wiederaufnahme von Gesprächen im Referendum nur eine knappe Mehrheit findet, bleibt der Ausgang einer künftigen Abstimmung über einen tatsächlichen Beitritt völlig offen.