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energiesmediaenergiesmedia+1energypolicy.columbiaDie IEA-Mitgliedstaaten haben im Juli lediglich 26 Millionen Barrel aus ihren Notfallreserven freigegeben, weniger als ein Drittel der Entnahmen im Mai. Gleichzeitig sanken die weltweiten Lagerbestände um 69 Millionen Barrel auf unter 7,9 Milliarden Barrel, ein Wert, der seit April 2025 nicht mehr erreicht wurde. Die verlangsamten Freigaben, zurückzuführen auf eine verbesserte Rohölverfügbarkeit in Teilen des Asien-Pazifik-Raums sowie ein zurückhaltenderes Tempo bei den Entnahmen aus der strategischen Ölreserve der USA, trugen kaum zur Linderung der sich verschärfenden Krise auf den Märkten für raffinierte Kraftstoffe bei, für die das bestehende Notfallsystem nicht ausgelegt war.
Die kumulierten Freigaben seit der Ankündigung einer koordinierten Rekordmaßnahme von 400 Millionen Barrel durch die IEA am 11. März belaufen sich nun auf 300 Millionen Barrel. Damit sind mehr als 100 Millionen Barrel noch nicht gebunden. Die Entnahmen aus staatlichen Lagern lagen im Juli im Durchschnitt bei 750.000 Barrel pro Tag, verglichen mit 1,5 Millionen Barrel pro Tag im Juni und 2,5 Millionen im Mai. Den stärksten Rückgang verzeichnete der Raum Asien-Ozeanien, wo die Freigaben von 44 Millionen Barrel im Mai auf 4 Millionen Barrel fielen, da sich die Versorgungslage mit Rohöl in Japan und Korea verbesserte. Auch die USA halbierten die Entnahmen aus ihrer strategischen Reserve nahezu auf 17 Millionen Barrel.energiesmedia
Dennoch schrumpften die Bestände weiter. Der Monatsbericht der IEA für August warnte, dass die weltweiten Lagerbestände unter 7,9 Milliarden Barrel gefallen sind. Die Behörde prognostiziert nun für das dritte Quartal ein Marktdefizit von 1,8 Millionen Barrel pro Tag. Mehr als 90 Prozent des Bestandsrückgangs von 69 Millionen Barrel im Juli entfielen auf schwimmende Bestände, also Tanker auf dem Transportweg oder mit Ladung auf See, da erneute Schifffahrtsrisiken in der Straße von Hormus und im Bab al-Mandab die normalen Lieferströme störten. Wie Reuters Thomson Reuters Corporation im Juni berichtete, hatte die US-Energieinformationsbehörde EIA bereits davor gewarnt, dass die Lagerbestände in den größten Volkswirtschaften der Welt auf den niedrigsten Stand seit mindestens 2003 zusteuern.Reuters+2
Das tiefere Problem besteht laut einer neuen Analyse des Center on Global Energy Policy der Columbia University darin, dass das Notfallsystem strukturell nicht auf die aktuelle Krise abgestimmt ist. Etwa 72 Prozent der koordinierten IEA-Freigaben entfielen auf Rohöl, die akutesten Engpässe herrschen jedoch bei raffinierten Kraftstoffen wie Diesel, Kerosin und Benzin. Der US-Diesel-Crack-Spread überstieg Mitte August erstmals die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel, was eher auf schwere Engpässe im Raffineriesektor als auf einen Rohölmangel zurückzuführen ist. Der weltweite Seehandel mit raffinierten Produkten lag im Juli im Jahresvergleich um 3,8 Millionen Barrel pro Tag niedriger, wobei Diesel und Kerosin mehr als die Hälfte dieses Ausfalls ausmachten.energypolicy.columbia+1
US-Raffinerien reagierten mit einer Erhöhung ihrer Auslastung auf 97,2 Prozent, stoßen jedoch vor der Hurrikansaison und dem Winter an ihre betrieblichen Grenzen. Die Raffineriekapazitäten im Nahen Osten bleiben teilweise beeinträchtigt, die russischen Dieselausfuhren sind nach der Verlängerung eines Exportverbots bis September eingebrochen, und Chinas freie Kapazitäten werden durch Exportquoten begrenzt. S&P Global berichtete, dass der Mangel global sei, sodass der US-Regierung nur minimale innenpolitische Handlungsoptionen verbleiben.coinpaper+2
Mehr als eine Milliarde Barrel an staatlich kontrollierten Notfallreserven befinden sich nach wie vor in den Lagern der IEA-Mitgliedstaaten, wie IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol im Juli feststellte. Allerdings schränkt die Zusammensetzung der noch nicht gebundenen Bestände, die überwiegend aus Rohöl bestehen, die direkte Entlastung der sich wöchentlich verengenden Produktmärkte ein. Die IEA hat den Zeitplan für weitere Freigaben bewusst offen gelassen und signalisiert, dass sie die Marktbedingungen genau beobachtet, bevor sie entscheidet, wie die verbleibenden Reserven eingesetzt werden. Während auf der Nordhalbkugel der Winter naht, ist die Lücke zwischen verfügbaren Rohölpuffern und den von Verbrauchern tatsächlich benötigten raffinierten Kraftstoffen zur zentralen Schwachstelle im globalen Energiesicherheitsnetz geworden.reuters+2