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reuters+1reutersbusinesstimes+1Die sich verschärfenden Hitzewellen in Europa haben die Wirtschaftsleistung im vergangenen Sommer um geschätzte 43 Milliarden Euro (50 Milliarden US-Dollar) geschmälert, während Versicherungsgesellschaften nach Schätzungen von Moody's lediglich rund 500 Millionen Euro an Auszahlungen leisteten.reuters+1 Dies offenbart eine riesige und weiter wachsende Schutzlücke, durch die Unternehmen den Großteil der klimabedingten Verluste selbst tragen müssen.
Während der Kontinent nun die fünfte Hitzewelle des Jahres 2026 erlebt, ist die Kluft zwischen wirtschaftlichem Schaden und versicherter Abdeckung zu einer dringlichen Sorge für Unternehmen aller Branchen geworden: von italienischen Cafés, deren Terrassen leer bleiben, bis hin zu Industrieherstellern, die mit steigenden Kühlkosten zu kämpfen haben.
Im italienischen Padua ist der traditionelle Aperitiv am frühen Abend während der extremen Hitze fast vollständig verwaist. Federica Luni, Präsidentin des Gastronomieverbands APPE Padova, erklärte, dass Kunden zunehmend klimatisierte Räume aufsuchen, wodurch die Außenplätze „ungenutzt und leer“ bleiben.mezha+1
Eine Umfrage unter rund 600 Gastronomiebetrieben in Padua und der umliegenden Provinz ergab, dass mehr als 80 Prozent während der jüngsten Hitzewelle Umsatzeinbußen von etwa 20 Prozent verzeichneten. „Ein Rückgang von 20 Prozent vernichtet die gesamte Marge“, sagte Luni gegenüber Reuters.businesstimes+1
Die Folgen reichen weit über das Gastgewerbe hinaus. Der schwedische Ladenausstatter ITAB Group, der italienische Zementhersteller Buzzi und der französische Zahlungsdienstleister Worldline haben bereits auf hitzebedingte Beeinträchtigungen ihrer Ergebnisse für das zweite Quartal hingewiesen.reuters+1
Klassische Betriebsunterbrechungsversicherungen setzen in der Regel einen physischen Sachschaden voraus, um einen Leistungsfall auszulösen, eine Bedingung, die bei extremer Hitze selten erfüllt ist. „Hitze an sich ist traditionell kein versichertes Risiko“, sagte Swenja Surminski, Geschäftsführerin für Klima und Nachhaltigkeit bei Marsh . „Extreme Hitze verursacht selten katastrophale Sachschäden wie eine Überschwemmung oder ein Sturm, aber die dadurch ausgelösten finanziellen und betrieblichen Störungen können genauso schwerwiegend sein.“businesstimes+1
Eine Umfrage aus dem Jahr 2023 unter 9.000 kleinen und mittleren Unternehmen im Auftrag der europäischen Versicherungsaufsicht ergab, dass nur 28 Prozent im Rahmen ihrer Sachversicherung über einen Schutz gegen Betriebsunterbrechungen verfügten. Europa erwärmt sich schneller als andere Kontinente. Laut Reuters Climate Monitor lag die Durchschnittstemperatur in Westeuropa am 11. August fast 10 Grad Celsius über dem Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990.reuters+1
Versicherer setzen daher zunehmend auf parametrische Policen. Diese zahlen automatisch aus, sobald die Temperaturen vordefinierte Schwellenwerte überschreiten, wodurch langwierige Schadensregulierungsverfahren entfallen. Der europäische Markt für parametrische Versicherungen wird laut KBV Research bis 2031 voraussichtlich ein Volumen von 7,93 Milliarden US-Dollar erreichen, was einem jährlichen Wachstum von 9,5 Prozent zwischen 2025 und 2032 entspricht.businesstimes+1
„Parametrische Versicherungen können eine entscheidende Rolle spielen“, sagte Aidan Kerr, Leiter für Lösungen des öffentlichen Sektors in Großbritannien und Irland bei Swiss Re .businesstimes
Dennoch kann Versicherungsschutz allein die wirtschaftlichen Folgen nicht beseitigen. Surminski forderte Unternehmen dazu auf, Anpassungsmaßnahmen Priorität einzuräumen: in Kühlung zu investieren, Arbeitsplätze umzugestalten und Lieferketten auf ihre Hitzebeständigkeit zu testen. „Ergreifen Sie Maßnahmen, um Verluste zu vermeiden“, sagte sie, „statt sie erst zu bekämpfen, wenn sie bereits eingetreten sind.“businesstimes