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reutersreuters+1reutersGesundheitsbehörden, die den Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo bekämpfen, nutzen erstmals anonymisierte Mobilfunkdaten, um Bevölkerungsbewegungen zu kartieren und vorherzusagen, wo das Virus als Nächstes auftreten könnte. Diese Methode wurde noch nie zuvor bei der Bekämpfung eines Ebola-Ausbruchs eingesetzt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die schwedische Non-Profit-Organisation Flowminder stellten die Initiative am Mittwoch vor.reuters+1
Der neue Ansatz kommt zu einer Zeit, in der die Behörden darum kämpfen, den laut WHO am schnellsten wachsenden Ebola-Ausbruch seit Beginn der Aufzeichnungen einzudämmen. Seit der Ausrufung des Ausbruchs am 15. Mai wurden nach Angaben der kongolesischen Regierung (Stand 1. September) mehr als 6.250 Menschen infiziert und 3.039 starben.cdc+1
Flowminder erhält aggregierte, anonymisierte Datensätze, die entstehen, wenn sich Mobiltelefone in die Netzmasten von Vodacom einwählen. Der größte Telekommunikationsanbieter des Kongo stellt diese Daten kostenlos zur Verfügung. Forscher nutzen diese Aufzeichnungen, um Reisebewegungen zwischen verschiedenen Regionen zu schätzen. Linus Bengtsson, Gründer von Flowminder, beschrieb dies als einen „Indikator dafür, wie sich infektiöse Menschen bewegen“.reuters
Herkömmliche Risikobewertungen gehen davon aus, dass sich ein Virus kreisförmig in die umliegenden Gebiete ausbreitet. Die Mobilitätsdaten zeigen jedoch, welche Orte durch tatsächliche Reisemuster miteinander verbunden sind, selbst wenn sie geografisch weit voneinander entfernt liegen. „Das verschafft uns ein differenzierteres Risikoverständnis“, sagte Olivier Le Polain, Leiter der Abteilung für Epidemiologie und Analytik beim WHO-Notfallprogramm, und verwies auf die starken Bevölkerungsbewegungen in der Provinz Ituri, die durch Bergbau und Handel angetrieben werden.medicaldaily+1
Die erste Anfang Juni veröffentlichte Analyse von Flowminder untersuchte, wohin Menschen reisten, die sich zuvor in den drei ursprünglichen Ausbruchsgebieten Bunia, Mongbwalu und Rwampara aufgehalten hatten. Bis Ende Juni meldeten alle zehn Reiseziele mit den größten Besucherströmen aus diesen Gebieten bestätigte Ebola-Fälle.flowminder+1
Die Methode lenkte die Aufmerksamkeit insbesondere auf Kisangani, einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt am Kongo-Fluss, der den Osten und Westen des Landes verbindet. Laut Le Polain zeigten die Daten bereits Mitte Juni, dass der Ausbruch Kisangani schneller als ursprünglich erwartet erreichen könnte. Die Hilfsmaßnahmen vor Ort wurden daraufhin verstärkt, noch bevor die ersten Fälle dort nachgewiesen wurden.reuters+1
Neuere Analysen weisen auf Verbindungen zwischen Kisangani und der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa hin. Fünfzehn der 50 am stärksten mit Kisangani vernetzten Gebiete lagen in der Provinz Kinshasa. In einer Ende Juni vorgestellten Modellrechnung schätzte die WHO die Wahrscheinlichkeit, dass bis Ende September ein Fall in Kinshasa entdeckt wird, auf 70 Prozent.who+1
Die Methode hat jedoch klare Grenzen. Sie greift nur auf kongolesische Netze zurück und liefert daher nur ein unvollständiges Bild der grenzüberschreitenden Bewegungen, also genau dort, wo das Risiko einer internationalen Ausbreitung am größten ist. Zudem stützt sie sich auf einen einzigen Anbieter: Vodacom hat einen Marktanteil von knapp 35 Prozent, wodurch Bewegungen in Konkurrenznetzen für die Analyse unsichtbar bleiben. Laut Flowminder und Vertretern der UN wird derzeit versucht, Vereinbarungen mit weiteren Betreibern zu treffen.reuters+1
Der Ausbruch, der 17. im Kongo, wird durch das Bundibugyo-Ebolavirus verursacht, für das es keine zugelassenen Impfstoffe oder Behandlungen gibt. Dies ist ein entscheidender Unterschied zu früheren Ausbrüchen, die durch das Zaire-Virus ausgelöst wurden.doctorswithoutborders+1