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reuters+1cnbcaljazeera+1Der kanadische Premierminister Mark Carney begrüßte am Donnerstag die Aussicht, dass Kanada das erste assoziierte Mitglied der Europäischen Union werden könnte. Vor dem Europäischen Parlament in Straßburg erklärte er: "Europa und Kanada sind jeweils stark. Europa und Kanada sind gemeinsam noch stärker."reuters+1
Carneys Rede folgte einen Tag, nachdem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagen hatte, Kanada zum assoziierten Mitglied des Blocks zu machen – ein Status, der nach geltenden EU-Verträgen noch nicht existiert und erst geschaffen sowie von den Mitgliedstaaten ratifiziert werden müsste. Die Rede folgte zudem auf eine scharfe Warnung von US-Präsident Donald Trump, der den Vorschlag als "lächerlich" bezeichnete und mit "sehr ernsten Zöllen oder einem Handelsstopp mit Europa bei vielen Dingen" drohte, sollte er das Abkommen als "feindseligen Akt" werten.aljazeera+2
Carney, der auf Englisch, Französisch und Deutsch sprach, skizzierte eine ehrgeizige Agenda für eine tiefere Integration in den Bereichen kritische Rohstoffe, Verteidigung, künstliche Intelligenz, Energiesicherheit, Raumfahrt und digitaler Handel. Er forderte einen "nahtlosen digitalen Handel bei Nicht-Agrargütern sowie einer breiten Palette von Dienstleistungen" und schlug vor, jungen Menschen beider Seiten das Leben, Arbeiten und Studieren über den Atlantik hinweg zu ermöglichen, unter anderem durch die Teilnahme an den EU-Programmen Erasmus+ und Horizon.cnn+1
"Ich schlage keinen dritten Block vor, um ein Rivale der Großmächte zu werden – nur mit besseren Manieren", sagte Carney unter Gelächter im Saal. "Wir streben nicht nach Macht, um andere zu dominieren. Im Gegenteil, wir streben nach Resilienz, damit niemand unsere offenen Märkte kontrollieren, unsere Souveränität beeinträchtigen, unsere territoriale Integrität bedrohen oder unsere Freiheiten, unsere Demokratien und unsere Rechtsstaatlichkeit untergraben kann."pbs+1
Obwohl Carney Trump oder die Vereinigten Staaten während seiner Rede nicht namentlich erwähnte, war der Subtext unmissverständlich. Kanada exportiert etwa 70 Prozent seiner Waren in die USA und ist damit Trumps Zöllen stark ausgesetzt. Die Beziehungen zwischen Ottawa und Washington befinden sich auf einem historischen Tiefpunkt.pbs
Auf Trumps Kommentare angesprochen, reagierte Carney direkt. "Die Kanadier sind sich einig, dass uns niemand vorschreiben wird, welche Sprache wir sprechen. Niemand wird unsere Kultur diktieren oder bestimmen, mit wem wir international Abkommen schließen können", sagte er vor Reportern. Er räumte ein, dass die "assoziierte Mitgliedschaft" noch definiert werden müsse und dass das kanadische Parlament über die endgültige Struktur einer solchen Allianz debattieren und abstimmen werde.qz+1
Die Europäische Kommission verteidigte den Vorschlag. "Die vorgeschlagene Stärkung unserer Partnerschaft mit Kanada richtet sich nicht gegen irgendjemanden, sondern dient unserer gemeinsamen Stärke", sagte Sprecher Olof Gill.aljazeera
Es wird erwartet, dass beide Seiten die geplante Beziehung auf einem EU-Kanada-Gipfel am 29. und 30. Oktober in Montreal detaillierter erörtern werden. Kanada hat bereits konkrete Schritte in Richtung engerer Bindungen zu Europa unternommen und ist Anfang des Jahres als erstes nicht-europäisches Land dem 150-Milliarden-Euro-Verteidigungsbeschaffungsprogramm SAFE der EU beigetreten.qz+1
Deutschland signalisierte eine gewisse Zurückhaltung; ein Regierungssprecher erklärte, Berlin sei offen für die "Diskussion neuer Modelle", deutete jedoch an, dass der Begriff "assoziiertes Mitglied" überdacht werden sollte. Das EU-Kanada-Freihandelsabkommen CETA, das seit seiner vorläufigen Anwendung 2017 99 Prozent der Zölle beseitigt hat, wartet noch immer auf die Ratifizierung durch zehn EU-Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, Italien und Polen.cnbc+1
Carney erhielt nach seinen Ausführungen stehende Ovationen. Ein EU-Abgeordneter trug sogar ein kanadisches Eishockeytrikot.pbs