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money.usnewsreuters+1reuters+1Die Europäische Zentralbank wird ihren Leitzins bei der Sitzung des EZB-Rats am 23. Juli mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unverändert lassen. Doch ein erneutes Aufflammen der Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran sowie steigende Ölpreise haben die Debatte darüber neu entfacht, ob eine weitere Zinserhöhung früher kommen könnte als von den Märkten erwartet.
Alle 74 Ökonomen in einer Reuters-Umfrage, die vom 13. bis 16. Juli durchgeführt wurde, erwarten, dass die EZB ihren Einlagensatz nächste Woche bei 2,25 % belässt. Die Marktpreise implizieren eine Wahrscheinlichkeit von 93 % für keine Änderung. Dennoch warnte Carsten Brzeski von der ING diese Woche, dass "eine überraschende Zinserhöhung nicht völlig ausgeschlossen werden sollte", und verwies auf die Rückkehr der Volatilität bei den Energiepreisen nach der jüngsten Welle von US-Angriffen auf iranische Ziele.money.usnews+3
Die Ölmärkte sind in der vergangenen Woche nach einer neuen Runde von US-Militärschlägen gegen iranische Anlagen und der Wiedereinführung einer Seeblockade um den Iran durch Washington stark angestiegen. Brent-Rohöl stieg am Donnerstag auf rund 85 Dollar pro Barrel und hielt sich damit nahe dem höchsten Stand seit einem Monat. Die New York Times berichtete, dass die Preise am ersten Tag der erneuten Feindseligkeiten um 9 % in die Höhe schnellten, womit Brent etwa 15 % über seinem Vorkriegsniveau liegt.reuters+2
Die Eskalation erschwert die Inflationsentwicklung, die sich eigentlich bereits abkühlte. Die Verbraucherpreise im Euroraum fielen im Juni laut Eurostat Euronext von 3,2 % im Mai auf 2,8 % und lagen damit deutlich unter den Erwartungen von 3,0 %. Dieser Rückgang hatte den Druck auf die EZB nach ihrer Zinserhöhung im Juni verringert, wobei Reuters Ende Juni berichtete, dass Quellen innerhalb der Bank "keine Eile" sahen, im Juli mit einem weiteren Schritt nachzulegen.reuters+2
Die Reuters-Umfrage ergab, dass 70 % der Ökonomen – 52 von 74 – nun eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr erwarten, höchstwahrscheinlich im September, gegenüber etwa 60 % in der Umfrage des Vormonats. Dies deckt sich mit der Ansicht mehrerer Investmentbanken, darunter Morgan Stanley und Deutsche Bank , die Zinserhöhungen um einen Viertelprozentpunkt sowohl im Juni als auch im September prognostiziert haben, was den Einlagensatz auf 2,50 % anheben würde.cnbc+2
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sagte am 8. Juli, der erneute Iran-Konflikt habe die Entscheidung der EZB im Juli "unklar" gemacht, und erklärte, dass sowohl eine Erhöhung als auch ein Beibehalten des Zinsniveaus möglich blieben. Er hatte zuvor gewarnt, dass selbst eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus keine sofortige Entlastung bringen würde, da "es Monate dauern wird, bis sich die Ölversorgung wieder normalisiert".econostream-media+2
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat an einer datenabhängigen Haltung festgehalten, Etiketten wie "Falke" oder "Taube" zurückgewiesen und einen Ansatz von Sitzung zu Sitzung betont. Nach der Zinserhöhung im Juni – der ersten seit 2023 – betonte die Bank in ihrer Kommunikation Flexibilität, obwohl Lagardes Ton von MUFG-Analysten als "etwas falkenhafter" als erwartet beschrieben wurde.mufgresearch+1
Die zentrale Frage für die Märkte ist, ob sich Zweitrundeneffekte des Energieschocks auf die Lohn- und Dienstleistungsinflation ausweiten. Die Kerninflation fiel im Juni auf 2,4 %, und mehrere EZB-Quellen haben erklärt, dass ein nachhaltiger Brent-Preis von über 100 Dollar pro Barrel die Schwelle für ein Handeln im Juli wäre. Da der Ölpreis deutlich unter dieser Marke liegt, scheint eine Pause in der nächsten Woche beschlossene Sache zu sein – doch der weitere Weg bleibt umstritten.thecorner+1