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bloombergworldtribune+1reuters+1Mehr als sechs Monate nach Beginn der militärischen Operation der USA und Israels gegen den Iran haben die Öl-Analysten von JPMorgan Chase eingeräumt, dass der Verlauf des Konflikts kaum noch vorhersehbar ist – eine Einschätzung, die Händler schon lange teilen, die nun aber offiziell von einem der meistbeachteten Rohstoff-Desks an der Wall Street bestätigt wird.
In einer am Donnerstag veröffentlichten Notiz erklärten Analysten, darunter Natasha Kaneva, dass mehrere wirtschaftliche rote Linien, bei denen die Bank davon ausgegangen war, dass die US-Regierung sie nicht überschreiten würde, bereits durchbrochen wurden: Ölpreise über 100 Dollar pro Barrel, Benzinpreise nahe 5 Dollar pro Gallone und stark steigende Renditen für Staatsanleihen. Diese Schwellenwerte galten einst als Leitplanken, die Washington zu einer Deeskalation bewegen sollten, doch da alle drei nun hinter uns liegen, ist die Exit-Strategie deutlich unklarer geworden.bloomberg
Der Konflikt hat die globalen Energiemärkte bereits grundlegend verändert. Der Bericht der Internationalen Energieagentur vom September stellte fest, dass der Preis für Brent-Rohöl auf 105 Dollar pro Barrel gestiegen ist, ein Plus von 45 % gegenüber dem Vorkriegsniveau, während die Dieselpreise in den USA die Marke von 200 Dollar pro Barrel überschritten haben – fast das Doppelte des Niveaus vor Beginn der Feindseligkeiten. Das weltweite Ölangebot wird für 2026 nun auf 100,7 Millionen Barrel pro Tag prognostiziert, ein Rückgang um 5,7 Millionen gegenüber dem Vorjahr, wobei eine vollständige Erholung erst für 2027 erwartet wird. Ein Drohnenangriff in der vergangenen Woche auf die Ost-West-Pipeline Saudi-Arabiens, der vom Iran unterstützten Kämpfern im Irak zugeschrieben wird, legte die einzige Route des Königreichs außerhalb der blockierten Straße von Hormus lahm und bedroht damit weitere 4 % des weltweiten Angebots.worldtribune+1
Die inflationären Folgen des Krieges wirken sich nun weltweit auf die Geldpolitik aus. Stunden vor der Veröffentlichung der Öl-Notiz von JPMorgan beließ die Bank of England ihren Leitzins in einer 6-3-Entscheidung bei 3,75 %, warnte jedoch, dass die Inflation Anfang nächsten Jahres 4 % übersteigen könnte. Gouverneur Andrew Bailey mahnte, dass ein lang anhaltender Konflikt im Nahen Osten eine straffere Politik erfordern könnte. Der JPMorgan-Ökonom Allan Monks sagte, die BoE klinge "fast so, als hätten sie sich bereits entschieden" für eine Zinserhöhung im November, und erwarte nun eine zweite Erhöhung im Februar, gefolgt von einer Pause – ein restriktiverer Pfad als seine vorherige Prognose, die zwei Zinssenkungen für 2027 vorsah.reuters+2
Präsident Trump sagte letzte Woche, er erwarte, dass der Krieg "sehr bald" nach den Zwischenwahlen im November ende, und prognostizierte, dass die Ölpreise dann "wie ein Stein fallen" würden. Die Analysten von JPMorgan stützen ihre Modelle jedoch nicht auf diesen Zeitplan. Die Juli-Prognose der Bank sah für Brent einen Durchschnittspreis von 86 Dollar im dritten Quartal und einen Rückgang auf 78 Dollar bis zum Jahresende vor – Zahlen, die von der Realität bereits überholt wurden, was unterstreicht, wie schnell der Krieg die Annahmen der Wall Street überholt hat.jpmorgan+2