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bbc.com+1.afp.com+1.reuters.com+1.Ungarn hat am Mittwoch, den 4. November, Geheimdienstakten aus der Kommunistenzeit in einer durchsuchbaren Online-Datenbank veröffentlicht und damit mehr als 36 Jahre nach dem Ende der Einparteienherrschaft etwa 60 000 Namen öffentlich gemacht. Premierminister Péter Magyar sagte, der Schritt erfülle ein lange gebrochenes Versprechen des demokratischen Wandels des Landes, berichtete Reuters.reuters.com
"Nach 36 Jahren erfüllen wir endlich das, was einst eines der Hauptversprechen der Wende von 1990 war, ein Versprechen, das später geleugnet und belogen wurde," sagte Magyar bei einer Pressekonferenz im Staatssicherheitsarchiv, so AFP. Er bat die Ungarn, "mit dieser längst überfälligen Veröffentlichung von Dokumenten mit Würde und Menschlichkeit umzugehen," und fügte hinzu, dass "viele Familien nun mit schwierigen Informationen konfrontiert werden, die oft ein verstorbenes Familienmitglied betreffen".politico.eu+2
Die Unterlagen befinden sich auf der Website nyitottaktak.hu. Ein typischer Eintrag listet den echten Namen eines Informanten, den Decknamen, das Geburtsdatum, die Adresse, den Namen der Mutter, den Grund für die Rekrutierung (freiwillig, Erpressung oder Nötigung) und den zuständigen Offizier auf, berichtete die BBC. Bisher konnten Personen außerhalb der Forschungsgemeinschaft in der Regel nur Akten über sich selbst oder nahe Verwandte einsehen. Der Start fiel auf den 70. Jahrestag der sowjetischen Niederschlagung des Aufstands von 1956.bbc.com+1
Eine zweite Charge von etwa 9 000 detaillierteren Rekrutierungsakten, bekannt als "B-Dossiers", soll bis zum 25. Februar 2027 folgen. Sensible Details wie sexuelle Orientierung, Gesundheit und Sucht werden geschwärzt, und die Regierung plant, Beratungshotlines für betroffene Personen einzurichten.afp.com+2
Die Spezialisten des Archivs schätzen, dass die Geheimpolizei über vier Jahrzehnte hinweg etwa 150 000 Informanten einsetzte, aber für nur etwa ein Drittel von ihnen sind Unterlagen erhalten. Viele Akten wurden 1956 und erneut 1988-89 vernichtet. Die Datenbank enthält auch Personen, die nur angesprochen oder für eine Rekrutierung ins Visier genommen wurden, daher beweist ein Name darin nicht automatisch eine Zusammenarbeit. Archivdirektor Bendegúz Gergő Cseh warnte, dass "man nicht alles glauben kann, was die Staatssicherheitsbehörden und ihre Akten behaupten". Der Vater von Kulturminister Zoltán Tarr taucht in den Akten auf, obwohl Tarr eine offizielle Bestätigung erhielt, dass sein Vater nie ein Agent war.dw.com+3
Magyar, der Viktor Orbán bei der Wahl im April besiegte, brachte im September ein Gesetz durch, das die Akten öffnete. Es gab Gerüchte, dass Orbán ein Informant gewesen sei, aber sein Name stand nicht in der Datenbank. Am Dienstag sagte er, er habe die Zusammenarbeit verweigert, als er während seines Militärdienstes angesprochen wurde. Der Historiker Krisztián Ungváry argumentierte, dass Bürger ein Recht darauf haben zu wissen, was der Staat über sie aufgezeichnet hat. Die Historikerin und Our-Homeland-Abgeordnete Zsuzsanna Borvendég warnte, dass die Veröffentlichung von Namen ohne Kontext die Öffentlichkeit in die Irre führen könnte.reuters.com+3