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ecb.europa+1ecb.europaecb.europaDie Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, warnte am Mittwoch, dass Europa es sich nicht leisten könne, das Versäumnis bei der ersten digitalen Revolution zu wiederholen. Sie forderte den Kontinent auf, Hindernisse zu beseitigen, die die Verbreitung künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft hemmen.
In einer Rede vor dem International Business Council des Weltwirtschaftsforums in Genf sagte Lagarde, Europa habe „die erste digitale Revolution weitgehend verpasst, da die kommerziellen Gewinne aus der Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien überwiegend andernorts erzielt wurden“. Sie fügte hinzu: „Wir können es uns nicht leisten, diese Erfahrung bei der künstlichen Intelligenz, der zweiten digitalen Revolution, zu wiederholen.“ecb.europa
Lagarde benannte zwei entscheidende Hindernisse, die Europa bremsen: die Fragmentierung des Binnenmarktes und die Fragmentierung der Kapitalmärkte. Sie verwies auf jüngste Untersuchungen, die zeigen, dass der Wettbewerbsdruck durch heimische Konkurrenten, die in KI investieren, Unternehmen zwar zu höheren eigenen KI-Ausgaben anregt, „diese Wettbewerbseffekte jedoch nach wie vor weitgehend an den nationalen Grenzen haltmachen“.ecb.europa
Umfragedaten legen nahe, dass Unternehmen im Euroraum in diesem Jahr durchschnittlich etwa 9 % ihrer gesamten Investitionen für KI einplanen, so Daten aus der EZB-Umfrage über den Zugang von Unternehmen zu Finanzierungen vom Dezember 2025.bloomberg+1
Blick auf die Kapitalmärkte: Lagarde merkte an, dass EU-Scale-ups im zehnten Jahr ihres Bestehens rund 50 % weniger Kapital aufnehmen als vergleichbare Unternehmen aus San Francisco, und dass etwa 12 % der EU-Scale-ups ihren Sitz aus der Union verlegt haben, vor allem in die USA.ecb.europa
Die Äußerungen fielen im Rahmen einer umfassenderen Analyse von Europas geschwächtem Nachkriegswachstumsmodell. Lagarde argumentierte, dass die drei traditionellen Säulen des Kontinents, die Ausweitung des globalen Handels, die Stärke in der mittelhochtechnologischen Fertigung dank günstiger Energie und eine stabile regelbasierte Weltordnung, allesamt unter Druck stehen. Sie wies darauf hin, dass im vergangenen Jahr weltweit mehr als 2.500 Handelsbeschränkungen eingeführt wurden, dass die Strompreise in der EU für energieintensive Industrien mehr als doppelt so hoch waren wie in den USA und dass China mittlerweile in fast 40 % der Sektoren, in denen Europa einen komparativen Vorteil besitzt, direkt mit dem Euroraum konkurriert.ecb.europa
Trotz Gegenwind verwies Lagarde auf die Binnennachfrage als Quelle der Widerstandsfähigkeit und merkte an, dass die Wirtschaft im Euroraum im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal um 0,4 % gewachsen sei. Sie sprach sich für Vorschläge wie „EU Inc.“, eine optionale EU-weite Gesellschaftsform, aus und drängte darauf, das Integrationspaket für die Kapitalmärkte bis Jahresende abzuschließen, um innovativen Unternehmen zu helfen, „europäisch zu gründen und europäisch zu wachsen“.ecb.europa
Die Rede fiel auf einen schwierigen Handelstag für europäische Aktien: Der Stoxx Europe 600 bewegte sich nach seinem schlechtesten Handelstag seit fast einem Monat nahe an einem Zwei-Wochen-Tief, da steigende Anleiherenditen und hohe Ölpreise die Stimmung belasteten.investing