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sciencealert+1sciencealert+1medicalxpress+1Die bisher größte genetische Untersuchung zur Persönlichkeit hat 1.260 Genvarianten identifiziert, die mit den „Big Five“-Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängen. Die Forschenden betonen jedoch, dass die DNA keineswegs unser Schicksal bestimmt: Die Umwelt leistet nach wie vor die Hauptarbeit bei der Formung unseres Charakters.
Die Studie, die am Mittwoch im Fachjournal Nature vom „Revived Genomics of Personality Consortium“ veröffentlicht wurde, kombinierte Persönlichkeits- und Genetikdaten aus 46 Forschungskohorten mit insgesamt rund 1,14 Millionen Menschen. Die Teilnehmenden füllten Fragebögen aus, um die „Big Five“-Merkmale zu erfassen: Offenheit für neue Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Zudem gaben sie DNA-Proben ab, die die Forschenden anschließend auf Varianten untersuchten, die mit Persönlichkeitsunterschieden zusammenhängen.sciencealert+1
Von den 1.260 identifizierten Varianten waren 824 zuvor noch nie mit der Persönlichkeit in Verbindung gebracht worden. Doch Hauptautor Ted Schwaba von der Michigan State University dämpfte schnell allzu hohe Erwartungen.english.elpais+1
„Es gibt kein einzelnes ‚Persönlichkeitsgen‘“, erklärte Schwaba in einer Mitteilung. „Persönlichkeitsmerkmale hängen mit vielen genetischen Varianten zusammen, aber selbst die größten Effekte einzelner Genvarianten sind immer noch sehr gering.“medicalxpress
Wie gering? Eine mit Extraversion verknüpfte Variante könnte eine Person beispielsweise vom 50. auf das 50,35. Perzentil verschieben. Über alle Merkmale hinweg machten die in der Studie erfassten Genvarianten etwa 4,8 bis 9,3 Prozent der Unterschiede bei den einzelnen Persönlichkeitsmerkmalen aus. Als die Forschenden versuchten, die Persönlichkeit in unabhängigen Gruppen anhand genetischer Daten vorherzusagen, konnten sie damit weniger als 4 Prozent der individuellen Unterschiede erklären.sciencealert+2
„Wenn wir die Persönlichkeit einer Person auf individueller Ebene bestimmen wollen, ist die Genetik kein vielversprechender Weg. Wir können die Persönlichkeit einfach direkt messen und erhalten ein sehr klares Bild; Gene würden dem nichts hinzufügen“, erklärte Mitautor Michel Nivard von der Universität Bristol gegenüber ScienceAlert.sciencealert
Eine bretere Bedeutung gewinnen die Ergebnisse durch ihre Verbindung zu Lebensläufen. Die Genvarianten, die Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zulassen, sagen teilweise auch die psychische und physische Gesundheit, die Lebenserwartung, die Bildung und den Karriereweg voraus. So waren mit Extraversion verknüpfte Varianten in der Frühphase der Pandemie mit einem erhöhten Risiko für eine COVID-19-Infektion verbunden, was vermutlich auf intensivere soziale Kontakte zurückzuführen ist. Varianten, die mit Offenheit zusammenhängen, ließen darauf schließen, dass Menschen eher in kosmopolitischere Viertel ziehen, was wiederum dieses Persönlichkeitsmerkmal verstärken kann.miragenews+3
Durch den Vergleich von Geschwistern und zweieiigen Zwillingen bestätigten die Forschenden zudem, dass diese genetischen Effekte nicht bloß Nebenprodukte einer gemeinsamen Erziehung waren.sciencealert
Trotz des enormen Umfangs der Ergebnisse war die Botschaft der Forschenden eindeutig: Die Genetik liefert Erkenntnisse auf Bevölkerungsebene, ist aber keine Prophezeiung für das Individuum.
„Ich fände es schrecklich, wenn die Menschen nun dächten, ihre Persönlichkeit sei durch die Genetik in Stein gemeißelt oder ihre individuelle Persönlichkeit ließe sich über ihr Genom ablesen“, so Nivard. „Wer mehr über seine Persönlichkeit im Vergleich zu anderen erfahren möchte, sollte einen der vielen kostenlosen Online-Tests machen. Dabei lernt man so viel mehr!“sciencealert