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reutersreuters+1reutersEuropas führende KI-Unternehmen weisen Forderungen ihrer amerikanischen Pendants zurück, das Tempo der Entwicklung künstlicher Intelligenz zu drosseln. Sie werfen den US-Firmen vor, Sicherheitsbedenken als Vorwand zu nutzen, um ihre Marktdominanz zu schützen.
Das französische Startup Mistral, das weithin als Europas größte Hoffnung für ein eigenes KI-Modell an der technologischen Spitze gilt, führte am Freitag die Kritik an. Laut Reuters erklärten sie, dass "einige etablierte Akteure diesen Moment nutzen, um ihre Marktposition zu festigen, indem sie auf Regulierungen drängen, die sie gegenüber Wettbewerbern bevorzugen".reuters
Die Kritik richtet sich direkt gegen den CEO von Anthropic, Dario Amodei, der am 12. September einen 3.800 Wörter umfassenden Essay mit dem Titel "We Must Pace the Frontier" veröffentlichte. Darin fordert er KI-Unternehmen auf, die Geschwindigkeit bei der Verbesserung von Modellfähigkeiten bewusst zu drosseln. Amodei forderte zudem eine Ausnahme vom Kartellrecht, die es führenden Entwicklern ermöglichen würde, gemeinsam Sicherheitsstandards zu erarbeiten, und schlug vor, unabhängige Prüfer dauerhaft in KI-Laboren zu installieren. OpenAI-CEO Sam Altman und Elon Musk von xAI unterstützten den allgemeinen Vorstoß, die Entwicklung zu verlangsamen.reuters+4
Unternehmen und Regierungsvertreter in ganz Europa sehen jedoch ein anderes Motiv. Raphael Auphan, COO der Schweizer Datenschutzfirma Proton, bezeichnete das US-Vorgehen bei einer Tech-Veranstaltung in Paris am Mittwoch als "völlig eigennützig". "Sie wollen lediglich eine Abhängigkeit von ihren Diensten aufrechterhalten", sagte er.reuters
Europa hat nur wenige KI-Entwickler an der technologischen Spitze hervorgebracht und bleibt stark von Modellen abhängig, die von OpenAI, Anthropic und Microsoft entwickelt wurden. Diese Abhängigkeit hat die Skepsis gegenüber Vorschlägen verschärft, die die Lücke vergrößern könnten. Ben Brooks, Leiter der Politikabteilung beim deutschen KI-Startup Black Forest Labs, warnte davor, dass die erzwungene Distanz zwischen etablierten Laboren und Neueinsteigern "auf Basis willkürlicher Schwellenwerte die offene Innovation an oder nahe der technologischen Grenze ersticken wird".reuters
Clement Delangue, CEO von Hugging Face, äußerte sich letzte Woche auf X deutlicher: "Es ist nicht an der Zeit, langsamer zu werden, sondern zu beschleunigen." Er unterstützte jedoch Amodeis Vorschlag für unabhängige Prüfer.channelnewsasia+1
Europäische Politiker schlossen sich den Bedenken der Industrie an. Der französische Finanzminister Roland Lescure sagte gegenüber Reuters: "Dass alle anderen hinter ihnen langsamer werden sollen, damit sie auf dem ersten Platz bleiben können, ist für mich klarer Eigennutz". Das deutsche Digitalministerium erklärte, ein Stopp der KI-Entwicklung sei angesichts Europas Bedarf an digitaler Souveränität unrealistisch.reuters
Kristian Kersting, Professor für KI an der Technischen Universität Darmstadt, beschrieb Amodeis Rahmenwerk als "regulatorische Vereinnahmung". Er argumentierte, dass es keine echte Regulierung mehr sei, wenn eine Handvoll Unternehmen definiere, was als gefährlich gelte, und ihre eigenen Inspektoren auswähle.reuters
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte am Mittwoch, dass die bestehenden KI-Regeln der EU die Union in die Lage versetzten, die globale Risikosteuerung mitzugestalten, während der britische König Charles am Donnerstag Technologieführer zu einem Gipfeltreffen in Schottland empfing, um die Themen zu erörtern.channelnewsasia+1
Daniel Abbou, Geschäftsführer des deutschen KI-Branchenverbandes, brachte die europäische Position auf den Punkt: "Für europäische Firmen ist diese Debatte irrelevant. Wir müssen zuerst unseren technologischen Rückstand aufholen".reuters