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semafor+2semafor+2news.artnet+1Zwei lange verschollene Orgelkompositionen von Johann Sebastian Bach wurden am 17. November in der Thomaskirche in Leipzig, Deutschland, zum ersten Mal seit mehr als drei Jahrhunderten öffentlich aufgeführt, was von offizieller Seite als "globale Sensation" in der klassischen Musik bezeichnet wurde.semafor+2
Die Chaconne in d-Moll BWV 1178 und die Chaconne in g-Moll BWV 1179, die vermutlich um 1705 geschrieben wurden, als Bach 18 Jahre alt war, wurden am Montag offiziell in das Werkverzeichnis des Komponisten aufgenommen und vom niederländischen Organisten Ton Koopman vor einem Publikum aufgeführt, zu dem auch der deutsche Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, gehörte.news.artnet+3
Die Manuskripte wurden erstmals 1992 von Peter Wollny, dem heutigen Direktor des Leipziger Bach-Archivs, in der Königlichen Bibliothek von Belgien entdeckt. Die Authentifizierung erwies sich jedoch als schwierig, da die Werke unsigniert, undatiert und nicht in Bachs Handschrift verfasst waren.semafor+3
Der Durchbruch gelang durch die Identifizierung des Kopisten als Salomon Günther John, ein bisher unbekannter Bach-Schüler, der von 1705 bis 1707 bei dem Komponisten in Arnstadt studierte. Die Entdeckung wurde durch das BACH Research Portal ermöglicht, ein Projekt der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, das alle verfügbaren Archive zur Familie Bach digitalisiert. Wollnys Kollege, Dr. Bernd Koska, fand in einem thüringischen Kirchenarchiv ein Bewerbungsschreiben aus dem Jahr 1729, in dem John behauptete, Bachs Schüler gewesen zu sein. Nachdem sie frühere Schriftproben von etwa 1705 ausfindig gemacht hatten, konnten die Forscher die Handschrift eindeutig John zuordnen.news.artnet+3
Laut Wollny enthalten die Stücke Merkmale, die für Bachs Frühzeit einzigartig sind, einschließlich Techniken, die an Georg Böhm erinnern, den Lüneburger Organisten, der Bach von 1700 bis 1702 unterrichtete. Die Werke zeigen anspruchsvolle kompositorische Elemente, die bei so jungen Komponisten selten zu sehen sind, und kombinieren Variation und Ostinato mit ausgedehnten Fugenabschnitten. Die Chaconne in d-Moll zeichnet sich durch ein komplexes siebentaktiges Ostinato-Thema aus, das sich durch individuelle Variationen entfaltet, während sich das g-Moll-Stück als früher Begleiter zum Chaconne-Satz in Bachs Kantate BWV 150 erweist.news.artnet+2
Koopman, Präsident des Leipziger Bach-Archivs und Interpret bei der Zeremonie am Montag, lobte die Entdeckung. "Wenn man an den jungen Bach oder sogar Mozart denkt, wird oft angenommen, dass das Genie erst später kam – aber nicht so!", sagte er. "Diese beiden Werke sind von einer sehr hohen Qualität, die man bei einem so jungen Menschen kaum erwarten würde".bachfestleipzig+2
Die Originalmanuskripte verbleiben in der Königlichen Bibliothek von Belgien, während die Noten nun beim Verlag Breitkopf & Härtel erhältlich sind.news.artnet+1