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scmpwmo+1bloomberg+1Während Europa eine historisch vierte Hitzewelle des Sommers erlebt und China mit extremen Temperaturen kämpft, hat die Nachfrage nach Klimageräten ein beispielloses Niveau erreicht, was sowohl Hersteller als auch Energiesysteme unter Druck setzt.
Der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea meldete den Eingang von 200 000 neuen europäischen Bestellungen innerhalb eines Monats in seinen Werken in Wuhu und Guangzhou. In einer Mitteilung auf der Investorenplattform der Börse Shenzhen wurde die Nachfrage als "explosiv" beschrieben. Seit Juni erhielt das Unternehmen 160 000 Bestellungen für sein tragbares Modell PortaSplit, das so konzipiert ist, dass es europäische Vorschriften umgeht, die Änderungen an Außenwänden in historischen Gebäuden einschränken. Um Schritt zu halten, eröffnete Midea am 7. Juli eine neue Produktionslinie im Werk Wuhu, stellte in dreieinhalb Tagen 20 000 Einheiten her und verschiffte die erste Charge innerhalb einer Woche nach Frankreich.scmp
Der breitere Trend ist auffällig. Laut Reuters profitieren asiatische Klimaanlagenhersteller seit Ende Mai von der Rekordhitze in Europa. Die Weltorganisation für Meteorologie bestätigte, dass der Juni 2026 der heißeste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen in Westeuropa war, und die New York Times berichtete, dass Teile des Kontinents Ende Juli erneut die 40-Grad-Marke überschreiten sollten.reuters+2
Der Kühlungsboom wirkt sich auf die Energiemärkte aus. In China erreichten die Spotpreise für Thermalkohle in Qinhuangdao am Montag 822 Yuan pro Tonne, ein Anstieg gegenüber dem Tiefstand von 797 Yuan am 13. Juli, da heißeres Wetter den Einsatz von Klimaanlagen und die Stromnachfrage erhöhte, so Bloomberg. Der chinesische Verband für Kohletransport und -vertrieb warnt, dass die Preise weiter steigen könnten, da extreme Hitze weite Teile des Landes erfasst.bloomberg
In der Schweiz macht die Kühlung laut dem Bundesamt für Energie mittlerweile 10,9 Prozent des Stromverbrauchs aus und übertrifft damit den Anteil der Heizung von 10,5 Prozent. Der Verkauf von tragbaren Klimageräten beim Schweizer Händler Galaxus stieg im Juni gegenüber dem Vorjahr um 38 Prozent.swissinfo
Die Kühlung von Wohn- und Gewerbegebäuden ist laut der Internationalen Energieagentur (IEA) weltweit der am schnellsten wachsende Bereich des Energieverbrauchs. Der weltweite Strombedarf für Innenraumkühlung hat sich zwischen 2000 und 2022 mehr als verdoppelt und erreichte etwa 2 900 TWh. Es wird prognostiziert, dass er bis 2035 um weitere 1 600 TWh steigen wird – was dem aktuellen jährlichen Strombedarf von Japan und Südkorea zusammen entspricht. Europa, der sich am schnellsten erwärmende Kontinent, verzeichnete zwischen 1990 und 2025 einen Anstieg der Kühlgradtage um 115 Prozent.swissinfo
"Kühlung wird zu einer immer wichtigeren Herausforderung sowohl für Gebäude als auch für das Stromsystem", sagte Urs-Peter Menti, Professor an der Hochschule Luzern. Das Paradoxon im Kern der Krise bleibt ungelöst: Die Technologie, die Menschen vor klimabedingter Hitze schützt, verschlimmert gleichzeitig die Erwärmung, die sie notwendig macht.swissinfo