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washingtonpostgazette+1courant+1Vom amerikanischen Kernland bis zur Südspitze Afrikas formiert sich ein zunehmend organisierter Widerstand gegen die rasante Expansion von KI-Rechenzentren. Über politische und geografische Grenzen hinweg vereinen sich Gemeinden in ihrer Sorge um Wasserknappheit, die Belastung der Stromnetze und mangelnde Transparenz seitens der Entwickler und Regierungen.
Die Gegenbewegung hat ein Ausmaß erreicht, das nur wenige in der Technologiebranche erwartet hatten. Laut der Washington Post wurden bis Mitte Juli in den US-Bundesstaaten 375 Gesetzesentwürfe zur Einschränkung des Baus von Rechenzentren eingebracht, gegenüber 243 im gesamten Jahr 2025 und nur 75 im Jahr 2024. Acht Bundesstaaten verabschiedeten 2026 Gesetze, die Steuersubventionen für Rechenzentren zurücknahmen, während 17 weitere ähnliche Maßnahmen prüften, berichtete Politico.washingtonpost+1
Der Widerstand hat sich an der Wahlurne als wirksam erwiesen. In Festus, Missouri, wählten die Bürger im April alle vier amtierenden Stadtratsmitglieder ab, die ein 6-Milliarden-Dollar-Rechenzentrumsprojekt genehmigt hatten. Im Juli organisierten Gegner laut Reuters Proteste an mehr als 140 Standorten in 42 Bundesstaaten. In Connecticut forderte der Senator Jeff Gordon Anfang September ein Moratorium für den Bau neuer Rechenzentren, um Anwohner und Umwelt zu schützen.courant+4
Der Gegenwind ist global geworden. Südafrikanische Bürgerrechtsgruppen fordern einen Stopp für den Bau neuer Rechenzentren, bis die Nutzung von knappen Ressourcen wie Wasser, Land und Strom ordnungsgemäß untersucht wurde, berichtete die Associated Press. Die südafrikanische Menschenrechtskommission teilte mit, dass sie nach einem Aufruf zur öffentlichen Beteiligung im Mai über 250 Eingaben erhalten habe.gazette
Eine geplante Hyperscale-Anlage von Equinix in Kapstadt hat in einer Stadt, die 2018 nur knapp einer Wasserkrise entging, besonderen Unmut erregt. Die Anlage würde schätzungsweise 160 Megawatt Strom benötigen. "Seriöse Investoren lassen sich von klaren Regeln nicht abschrecken. Sie bewerten Unsicherheit, und ein unregulierter Boom ist das unsicherste Umfeld überhaupt", sagte Pitso Tsibolane, Dozent an der Universität Kapstadt.gazette
In Visakhapatnam, Indien, forderten Aktivisten am Sonntag, dass ein unabhängiger Expertenrat geplante KI-Rechenzentren mit einer Gesamtkapazität von rund 6.500 Megawatt bewertet, bevor die Behörden weitere Verpflichtungen eingehen. Redner bei einer von der Umweltgruppe Green Visakha organisierten Versammlung forderten eine umfassende Überprüfung von Landzuteilungen, Wasser- und Strombedarf, Umweltauswirkungen und lokaler Beschäftigung. Der pensionierte Beamte EAS Sarma drängte darauf, jeden Plan zur Umleitung von Wasser aus dem Polavaram-Projekt oder lokalen Reservoirs zu stoppen, bis die Trinkwassersicherheit garantiert sei.newindianexpress+1
Die Branche hält dagegen, dass Rechenzentren in Südafrika und Indien weitaus kleiner seien als ihre US-Pendants und zunehmend auf erneuerbare Energien setzten. Doch wie ein Betreiberverband einräumte, bleibt das Kernproblem weltweit dasselbe: Entwickler sind bisher nicht verpflichtet, in verbindlicher Form offenzulegen, wie viel Wasser, Strom und Land sie verbrauchen werden.gazette