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reutersreutersreuters+1Eine beispiellose Hitzewelle, die Europa in diesem Sommer fest im Griff hat, hat die Strompreise auf ein Niveau getrieben, das normalerweise den kältesten Wintermonaten vorbehalten ist. Dies belastet die Stromnetze auf dem gesamten Kontinent, da die Nachfrage nach Kühlung steigt und gleichzeitig die Erzeugungskapazität sinkt.
Am 23. Juni erreichten die deutschen Day-Ahead-Strompreise 210 Euro pro MWh, wobei Verträge in Frankreich und Großbritannien ebenfalls Niveaus erreichten, die seit Januar 2025 nicht mehr verzeichnet wurden, so Daten von LSEG. Am selben Tag gab der britische National Energy System Operator seine erste Strommarginalwarnung für den Sommer überhaupt heraus und forderte die Erzeuger auf, mehr Strom zu produzieren.reuters+1
Der Preisanstieg wurde durch ein Zusammentreffen mehrerer Faktoren ausgelöst. Temperaturen von über 40 Grad in Teilen Europas ließen die Nachfrage nach Kühlung in die Höhe schnellen und reduzierten gleichzeitig die Leistung mehrerer Energiequellen. Die französische Kernkraftleistung, die größte Flotte Europas, wurde über mehrere Tage hinweg um mehr als 9 Gigawatt bei 12 ihrer 57 Reaktoren gedrosselt, da die zur Kühlung genutzten Flusswassertemperaturen über die Betriebsgrenzen stiegen, so Daten von Kpler.marketscreener+1
Gasturbinen, die fast 17 Prozent des EU-Stroms liefern, verloren ebenfalls an Effizienz. Ein Tag mit 30 Grad kann die Leistung eines typischen Gaskraftwerks um etwa 7 bis 12 Prozent reduzieren, so Daten von Rystad Energy. Windparks verzeichneten aufgrund der schwachen Winde während der Hitze eine geringere Leistung, und selbst Solarpaneele verloren an Effizienz, da hohe Temperaturen die Zellspannung drosselten.reuters+1
"Das typische Problem, das wir beobachten, ist ein Missverhältnis… wir sehen weniger Stromerzeugung während Hitzewellen… zu einer Zeit, in der die Nachfrage steigt", sagte Laurent Bataille, Executive Vice-President für europäische Operationen bei Schneider Electric.reuters
Die europäischen Gaspreise liegen nun nahe dem höchsten Stand seit Russlands Invasion in der Ukraine im Jahr 2022, da der Krieg zwischen den USA und dem Iran die Energieflüsse aus dem Nahen Osten gestört und die Stromproduktionskosten in die Höhe getrieben hat. Die bulgarische Energieregulierungsbehörde genehmigte am 31. Juli eine Erhöhung der regulierten Gaspreise um 4,6 Prozent für August und legte den neuen Preis auf 39,43 Euro pro MWh fest, gegenüber 31,75 Euro im August 2025, unter Berufung auf die Notwendigkeit teurerer türkischer Gasimporte zur Ergänzung der Lieferungen aus Aserbaidschan.sofiaglobe+2
Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt, und Analysten warnen, dass sich dieses Muster noch verstärken wird. "Ich glaube, dass Hitzewellen zur Norm werden und die Gas- und Strompreise beeinflussen werden", sagte Kpler-Analyst Alessandro Armenia, der für den nächsten Sommer noch mehr Volatilität vorhersagt. Da die Nutzung von Klimaanlagen in ganz Europa zunimmt, die Netzinfrastruktur aber immer noch auf die winterliche Spitzenlast ausgelegt ist, stellt das Missverhältnis zwischen den sommerlichen Erzeugungsengpässen und dem wachsenden Kühlbedarf eine strukturelle Herausforderung für das Energiesystem des Kontinents dar.marketscreener+1