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yabiladinbcnews+1nytimesEin sprunghafter Anstieg der Migration in die kleine spanische Enklave Ceuta in der vergangenen Woche lieferte den rechtsextremen Parteien Europas neuen Auftrieb. Doch ihre Versuche, politisches Kapital aus der Krise zu schlagen, stießen auf erbitterten Widerstand der lokalen Bevölkerung: Die Einwohner organisierten Gegenproteste und zwangen die politischen Agitatoren dazu, die Stadt unter Polizeischutz zu verlassen.
Am Samstagabend wurde der EU-Abgeordnete Luis „Alvise“ Pérez, Vorsitzender der Partei Se Acabó La Fiesta (Das Fest ist vorbei), von der Polizei zum Hafen von Ceuta eskortiert. Zuvor waren Proteste gegen eine von seiner Gruppierung organisierte Kundgebung auf der Plaza de los Reyes ausgebrochen. Anwohner, darunter viele marokkanischer Abstammung, umringten die Versammlung und riefen „Haut ab“, „Ceuta ist vereint, nicht gespalten“ und „Das ist unsere Stadt“.yabiladi
Noch vor Beginn der Kundgebung stellten Anwohner Pérez in einem Café zur Rede und hielten ihm vor: „Sie haben es auf die Schwächsten abgesehen“ und „Sie nutzen die Situation aus, um Hass zu säen“. Die rechtsextreme Gruppierung Núcleo Nacional (Nationaler Kern) stieß auf ähnlichen Widerstand. Die Nationalpolizei musste rund 20 ihrer Mitglieder zum Hafen eskortieren, während sie von Demonstranten umringt wurden. Anwohner folgten dem Konvoi auf Motorrädern und hupten demonstrativ, als die Gruppen abzogen.yabiladi
Die Konfrontationen in Ceuta spielten sich vor dem Hintergrund eines europaweiten politischen Opportunismus ab. Rechtsextreme Politiker in ganz Europa nutzten die Bilder der chaotischen Grenzübertritte, bei denen am Donnerstag Zehntausende Migranten in die spanische Enklave gelangt waren, um zu behaupten, dass Europas Grenzen versagen.nbcnews+1
In Frankreich forderte Marine Le Pen eine sofortige Verschärfung der Grenzkontrollen, während ihr Stellvertreter Jordan Bardella der Legalisierung von Migranten ohne Papiere durch den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez die Schuld dafür gab, „die Türen Europas für alle Gefahren zu öffnen“. In Großbritannien warnte der Chef von Reform UK, Nigel Farage, dass die Migranten aus Ceuta letztlich den Ärmelkanal erreichen würden. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte die Szenen „schockierend“ und erklärte, Italien werde „nicht tatenlos zusehen“.nytimes
Was das Jahr 2026 von der Migrationskrise 2015 unterscheidet, ist das Ausmaß, in dem auch Politiker der Mitte eine harte Rhetorik übernommen haben. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen forderte ihre Amtskollegen auf, einen Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum in Erwägung zu ziehen, während der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz verlangte, Marokko müsse „illegale Migranten unverzüglich zurücknehmen“.nytimes
Spaniens Regierungschef Sánchez, einer der wenigen Politiker, die an einer aufgeschlossenen Haltung zur Migration festhalten, hielt dagegen. Er betonte, dass die meisten der am Donnerstag nach Ceuta gelangten Menschen das Gebiet bis Samstag wieder verlassen hätten und dass weit mehr Migranten illegal über Italien, den Westbalkan und Griechenland in die EU einreisen als über Spanien. François Gemenne, Migrationsexperte an der HEC Paris, beobachtet, dass sich Politiker der Mitte gezwungen sehen, Härte an den Grenzen zu demonstrieren: „Wenn die Mitte den Eindruck erweckt, bei diesen Themen rechts überholt zu werden, verliert sie die Deutungshoheit komplett“.nytimes
In Ceuta selbst war die Botschaft der Einwohner deutlicher: Sie richtete sich nicht gegen die Migranten, sondern gegen die Politiker, die gekommen waren, um sie zu instrumentalisieren.