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dw+1dw+1kyivindependentEine rekordverdächtige Hitzewelle und historisch niedrige Pegelstände der Donau haben Ungarn und Rumänien in ihre schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten gestürzt. Beide Länder sahen sich gezwungen, berühmte Wahrzeichen zu verdunkeln, die Industrieproduktion zu drosseln und die Bevölkerung zum drastischen Stromsparen aufzurufen.
Ungarns Kernkraftwerk Paks, das normalerweise etwa die Hälfte des Stroms im Land erzeugt, läuft derzeit nur mit rund 12 Prozent seiner Kapazität. Grund dafür ist der historische Tiefstand der Donau, wodurch der Anlage nicht genügend Kühlwasser zur Verfügung steht. Das Kraftwerk, dessen Durchlaufkühlung auf große Mengen Flusswasser angewiesen ist, stand Ende Juli kurz vor der vollständigen Abschaltung, als der Pegel in Budapest auf nur noch 30 Zentimeter sank.dw+1
In Rumänien wurde einer von zwei Reaktoren des Kernkraftwerks Cernavoda vom Netz genommen. Um mehr Wasser zur Anlage umzuleiten, sprengten die Behörden Felsformationen und versenkten Lastkähne. Rumänien rief am 31. Juli einen 30-tägigen Alarmzustand aus, und die Werke von Ford und Dacia Renault SA stellten die Produktion bis zum 19. August ein.tvpworld+2
Budapest schaltete die dekorative Beleuchtung des Parlamentsgebäudes, der Budaer Burg und der Kettenbrücke ab, während Bukarest die Straßenbeleuchtung um ein Drittel dimmte und markante Gebäude verdunkelte. Das rumänische Energieministerium forderte alle Verbraucher auf, den Stromverbrauch bis Ende August in den Stunden zwischen 19:00 und 23:00 Uhr zu senken.romania-insider+1
Die Ukraine exportierte in der letzten Juliwoche 61 Gigawattstunden Strom nach Ungarn und war damit laut ENTSO-E-Daten, die vom Kyiv Independent zitiert wurden, der zweitgrößte Lieferant nach Polen. Moldaus Präsidentin Maia Sandu warnte, dass ihr Land, das von Energieimporten abhängig ist, ohne Regenfälle zur Wiederinbetriebnahme regionaler Kraftwerke vor noch größeren Engpässen stehen könnte.kyivindependent+1
Am Donnerstag billigte die rumänische Regierung einen Risikovorsorgeplan für den Stromsektor, der gestaffelte Reaktionen auf neun Krisenszenarien einschließlich Dürre vorsieht. Beamte betonten jedoch, dass dies nicht automatisch zu Verbrauchsbeschränkungen führt.agerpres
Der ungarische Politiker Péter Magyar erklärte am Mittwoch, der Wasserstand der Donau bei Paks sei auf sieben Zentimeter über dem minimalen Betriebsschwellenwert gestiegen, was Anlass zu „vorsichtigem Optimismus“ gebe. Er kündigte einen Energieentwicklungsplan im Wert von 868 Milliarden Forint an, der Batteriespeicher, Ausschreibungen für Windkraft bis zum 31. August und ein mit 1,5 Milliarden Euro von der EU gefördertes Netzmodernisierungsprogramm umfasst.hungarianconservative
Magyar gab der 16-jährigen Energiepolitik der Vorgängerregierung unter Orbán die Schuld daran, dass das Land unvorbereitet sei. Er warf ihr vor, den Ausbau der Windkraft blockiert und keine Speicherkapazitäten aufgebaut zu haben. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Europion ergab, dass 85 Prozent der Ungarn ihren Stromverbrauch gesenkt haben, wobei die politischen Gräben tief verlaufen: 68 Prozent der Wähler von Magyars Tisza-Partei gaben der früheren Regierung die Schuld, während 45 Prozent der Fidesz-Anhänger dem aktuellen Kabinett die Schuld gaben.dailynewshungary+1
Da die Temperaturen in der Region weiterhin über 40°C liegen und kein anhaltender Regen vorhergesagt ist, warnten beide Regierungen, dass die Krise noch Wochen andauern werde, selbst wenn sich die Flusspegel erholen, da das Hochfahren von Kernkraftwerken ein langwieriger Prozess ist.dw