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rfi+1fortune+1reuters+1Der Eröffnungstag der VivaTech 2026 in Paris am Mittwoch brachte neben Startup-Demos und Keynote-Reden eine deutliche politische Botschaft: Europa muss aufhören, über digitale Souveränität zu reden, und anfangen, sie aufzubauen. Die Digitalminister Frankreichs und Deutschlands nutzten den Anlass, um eine gemeinsame Erklärung zur Definition digitaler Souveränität abzugeben und konkrete Schritte zur Verringerung der Abhängigkeit des Kontinents von amerikanischer Technologie anzukündigen – ein Vorstoß, der durch das abrupte Exportverbot der US-Regierung für die fortschrittlichsten KI-Modelle von Anthropic nur wenige Tage zuvor neue Dringlichkeit erhielt.
In der Nacht zum 12. Juni wies das US-Handelsministerium Anthropic an, den Zugriff auf seine Modelle Fable 5 und Mythos 5 für alle ausländischen Staatsangehörigen weltweit zu deaktivieren, einschließlich derjenigen, die innerhalb der Vereinigten Staaten arbeiten. Handelsminister Howard Lutnick übermittelte die Anweisung in einem Brief an den CEO von Anthropic, Dario Amodei, unter Berufung auf nationale Sicherheitsbedenken. Die Modelle, die erst drei Tage zuvor vorgestellt worden waren, wurden sofort weltweit offline genommen. Der Schritt löste Schockwellen bei europäischen Regierungen und Unternehmen aus, die mit der Integration der Tools begonnen hatten, und verstärkte die langjährigen Befürchtungen hinsichtlich der Abhängigkeit von ausländischer digitaler Infrastruktur.forbes+2
Der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger und die französische Digitalministerin Anne Le Hénanff veröffentlichten am Mittwoch ein gemeinsames Papier, das digitale Souveränität in sechs Dimensionen definiert – von der rechtlichen Durchsetzbarkeit und dem Datenschutz bis hin zur Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur und der Schaffung wirtschaftlicher Werte. „Die Stärkung unserer digitalen Souveränität und die Verringerung technologischer Abhängigkeiten ist das geopolitische Gebot der Stunde“, sagte Wildberger. Le Hénanff bezeichnete die deutsch-französische Zusammenarbeit als „entscheidend, um Europa bei der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz voranzubringen“.bmds.bund
Die beiden Länder kündigten zudem den Neustart des „Deutsch-Französischen Zukunftsforums“ an, einer Plattform zur Koordinierung privater und öffentlicher Technologiebemühungen, zum Aufbau eines gemeinsamen Katalogs souveräner digitaler Alternativen und zur Entwicklung eines gemeinsamen Rahmens zur Bewertung der kritischen digitalen Abhängigkeiten Europas. Die Initiative richtet sich an Brüssel und die anderen EU-Mitgliedstaaten, wobei beide Minister versuchen, Souveränitätskriterien in kommende Gesetzgebungen, einschließlich des EU-Pakets zur technologischen Souveränität, einzubetten.rfi+1
In einem parallelen Schritt, der den Wandel von der Rhetorik zur Beschaffungspolitik unterstreicht, kündigte der französische Premierminister Sébastien Lecornu am Dienstag an, dass das heimische Unternehmen ChapsVision vom Geheimdienst DGSI ausgewählt wurde, um Palantir Technologies zu ersetzen. Lecornu stellte die Entscheidung als Bemühen dar, „echte Autonomie aufzubauen“ und Abhängigkeiten von Partnern zu vermeiden, die in der Lage sind, den Zugang zu KI-Tools zu sperren. Palantir antwortete, dass sein Vertrag „vollständig aktiv bleibt“, und das Büro von Lecornu stellte klar, dass die Tools des amerikanischen Unternehmens während eines mehrjährigen Übergangs weiterhin verwendet würden, um jegliche Fähigkeitslücke zu vermeiden.reuters+1